Full text : Das Saarland zwischen Frankreich, Deutschland und Europa

suchen,  werden  wir  auch  das  politische  Schwergewicht  haben,  um  als  Partei  vor
der  Öffentlichkeit  stehen  zu  können.“
Heinrich  Wacker,  Präsident  der  Einheitsgewerkschaft
Ich  möchte  zuerst  zur  Ernährungslage  Stellung  nehmen.  [...]
Genosse  Zimmer  hat  in  seinen  Ausführungen  von  dem  notwendigen  Elan  der  Gewerkschaften
  gesprochen.  Ich  möchte  jedoch  darauf  verweisen,  daß  die  Gewerkschaftsbewegung
  an  der  Saar  sich  im  Neuaufbau  befindet  und  vor  einer  neuen  Zeitwende
  steht.  Bis  zum  Jahr  1935  gab  es  an  der  Saar  70  Verbände  und  Verbändchen,
mit  einem  großen  Stab  von  besoldeten  Funktionären.  Nach  monatelangem
schweren  Ringen  konnte  die  Einheit  der  Gewerkschaft  geschaffen  werden.  Ich
weiß,  daß  von  anderer  Seite  mit  Elan  gegen  mich  gekämpft  wurde.  Wenn  ich  in
dem  ganzen  letzten  Jahr  keine  Befriedigung  in  meiner  Arbeit  gefunden  habe,  so
deshalb,  weil  ich  gerade  aus  dem  Kreise  unserer  Genossen  heraus  am
allerwenigsten  Unterstützung  gefunden  habe.
Durch  die  Machenschaften  eines  bestimmten  Kreises  wurde  mir  auf  Grund  eines
Telegrammes  die  Eigenschaft  als  Präsident  der  Einheitsgewerkschaft  aberkannt.
Der  Titel  spielt  absolut  keine  Rolle.  Ich  will  nur  erwähnen,  daß  diese  Leute,  die
mich  in  den  letzten  Wochen  durch  den  Schmutz  gezogen  haben,  mich  nun  gestern
vor  acht  Tagen  -  in  besserer  Erkenntnis  der  Situation  -  einstimmig  zu  ihrem
Vorsitzenden  bestimmt  haben.  Wenn  der  wirtschaftliche  Anschluß  des  Saargebietes
zur  Debatte  stand,  dann  war  ich  es,  der  sich  auf  den  Standpunkt  gestellt  hat,  daß
das  Wohl  und  Wehe  der  Menschen  im  Saargebiet  von  dem  Anschluß  abhängt.  Die
elementarste  Voraussetzung  für  die  Saarwirtschaft  ist  die  Kohle.  Wir  werden  auch
dann,  entsprechend  den  Bedürfnissen,  unsere  Kohle  bekommen.  Im  Moment
bekommen  wir  kaum  eine  Tagesförderung.  Weil  ich  die  Verelendungspolitik
gewisser  Gruppen  im  Saargebiet  nicht  mitmachen  will,  aus  diesem  Grunde  bin  ich
für  wirtschaftlichen  Anschluß  des  Saargebietes  an  Frankreich.“
[...]
Luise  Schiffgens,  Saarbrücken
„Ich  habe  mich  gefreut  über  die  klaren  Worte,  die  der  Genosse  Roth  hier
gesprochen  hat.  Mit  der  Entschließung  des  Parteivorstandes  bin  ich  einverstanden.
Aus  diesem  Grunde  und  im  Hinblick  der  Einheitlichkeit  des  Parteitages  wünsche
ich  keine  Abänderung  und  andersartige  Interpretierung.  Ich  bin  der  Überzeugung,
daß  eine  einseitige  Stellungnahme  zugunsten  des  wirtschaftlichen  Anschlusses  an
Frankreich  weder  im  Interesse  der  saarländischen  Sozialdemokratischen  Partei,
noch  in  dem  der  deutschen  Sozialdemokratie  gelegen  ist,  möglicherweise  auch
nicht  im  Interesse  Frankreichs.  Frankreich  hat  infolge  der  Hitlerschen  Kriegspolitik
furchtbar  gelitten.  Es  hat  Anspruch  auf  eine  Wiedergutmachung.  Diese  Wiedergutmachung
  jedoch  kann  infolge  eines  einseitigen  wirtschaftlichen  Anschlusses  an

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