Full text : Das Saarland zwischen Frankreich, Deutschland und Europa

haben.  Auf  die  Gewerkschaftsfrage  bin  ich  unlängst  durch  einen  vormaligen  langjährigen
  Funktionär  der  Freien  Gewerkschaftsbewegung  aufmerksam  gemacht
worden,  der  mich  darauf  verwies,  daß  im  Radio  mitgeteilt  worden  sei,  daß  eine
bestimmte  Anzahl  von  Vertretern  der  Christlichen  Volkspartei  als  Sicherheitsmänner
  der  Saargruben  gewählt  worden  waren.  Nicht  die  Führung  der  Einheitsgewerkschaft
  hat  diese  Tendenz  in  die  Einheitsgewerkschaft  getragen,  sondern  die
Führung  der  Christlichen  Volkspartei.  Diese  Partei  will  diese  Positionen  in  Anbetracht
  der  bevorstehenden  Wahlen  für  ihre  Parteizwecke  ausnützen,  was
sicherlich  ein  Mißbrauch  des  gewerkschaftlichen  Rechts  ist.  Wir  können  uns  als
Partei  nicht  in  die  Gewerkschaften  einmischen,  sind  jedoch  verpflichtet,  unsere
Aufmerksamkeit  der  politischen  Erscheinung,  wie  von  mir  erwähnt,  in  den
Zahlstellen  bei  unseren  Funktionären  wachzuhalten.  Auf  keinen  Fall  dürfen  wir
zulassen,  daß  falsche  Illusionen  Platz  greifen.  Es  ist  ganz  selbstverständlich,  daß
unsere  Funktionäre,  die  als  erfahrene  Gewerkschaftler  tätig  waren,  aktiv  werden,
um  die  Gewerkschaften  im  Sinne  ihrer  Zweck-  und  Zielsetzung  zugunsten  des
schaffenden  Volkes  funktionieren  zu  lassen,  ln  der  Saarfrage  bin  ich  sicherlich  als
Exponent  der  wirtschaftlichen  Anschlußpolitik  zu  betrachten.  Wenn  es  in  dieser
Angelegenheit  Meinungsverschiedenheiten  gibt,  dann  sicherlich  dadurch,  daß
unsere  Partei  diese  Frage  auf  einer  größeren  Tagung  bis  jetzt  noch  nicht  hat
eingehend  erörtern  können.  Auf  dem  heutigen  Parteitag  bietet  sich  hierzu  erstmalig
die  Gelegenheit.
Die  Gegner  des  wirtschaftlichen  Anschlusses  gehen  von  falschen  Voraussetzungen
aus  und  verkennen,  daß  die  Saarfrage  mit  ein  europäischen  Problem  ist,  und  zwar
als  Anfang  zur  Schaffung  der  Vereinigten  Staaten  von  Europa.
Die  Verhältnisse  haben  sich  nicht  nur  politisch,  sondern  auch  wirtschaftlich  geändert.
  Heute  kann  ich  nicht  darauf  eingehen,  aber  eins  möchte  ich  sagen,  die
Entschließung  ist  nicht  so  gehalten,  weil  sich  der  Bezirksvorstand  um  eine  klare
Entscheidung  drücken  will.  Die  Meinung  des  Bezirksvorstandes  ist  fast  meine
Meinung.  [...]  Der  Bezirksvorstand  sagt  sich  folgendes:  Weil  wir  nicht  zu  bestimmen
  haben  und  weil  gamicht  lOOprozentig  feststeht,  ob  die  Entscheidung  in  dem
Sinne  fällt,  wie  wir  es  erhoffen  und  fordern,  soll  nur  in  unserer  Entschließung
Ausdruck  gegeben  werden,  daß  wir  in  dem  Zusammenschluß  die  beste  Lösung
unserer  Wirtschaftsfragen  sehen.  Diese  Entschließung  ist  aus  der  Auffassung  heraus
  entstanden,  daß  wir  als  Partei  in  dem  wirtschaftlichen  Anschluß  an  Frankreich
die  verhältnismäßig  beste  Lösung  der  Wirtschaftsfragen  bei  uns  sehen.  Es  könnte
der  Anfang  einer  Entwicklung  sein,  die  ein  wirtschaftlich  geeintes  Europa  zum
Ziele  hat.  Den  Leuten  mit  übertriebener  Vorsicht  möchte  ich  sagen,  daß  wir
wirklich  den  Anfang  einer  wirtschaftlichen  Vereinigung  Europas  angebahnt  haben.
Die  Vereinigten  Staaten  von  Europa  können  nichts  anderes  sein  als  eine  wirtschaftliche
  Vereinigung  der  Staaten.  Wenn  ich  in  Frankfurt,  Hannover  oder  Köln  leben
würde,  würde  ich  den  gleichen  Standpunkt  einnehmen.  Wenn  wir  so  die  Lösung

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