Tagungs- und Veranstaltungsprogramm nicht nur den innerwissenschaftlichen
Kontakt intensiviert, sondern - wie zum Beispiel im Bereich der Fortbildung und
Erwachsenenbildung - auch außerhalb der Universität wirkt. Hierzu zählt das
ambitionierte und auf mehrere Bände angelegte Projekt einer Geschichtlichen
Landeskunde des Saarlandes, aus dem eine Gesamtdarstellung zur Geschichte der
Region in langfristiger Perspektive entstehen soll.
Speziell die zeithistorische Saar-Forschung erhielt gegen Ende der sechziger,
vor allem aber in den siebziger Jahren wichtige Anstöße auch aus anderen Bereichen.
Neben einer - auch andernorts einsetzenden - verstärkten Zuwendung zur
lokalen und regionalen Geschichte, die sich im Saarland in der Gründung von
lokal-, stadt- und regionalhistorischen Forschungsinitiativen und Geschichtswerkstätten
niederschlug, belebte die neu auflebende Debatte über Chancen und Möglichkeiten
einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit mit den Nachbarn im
Westen und Norden das Interesse an der gemeinsamen, vielfältig durch Konflikte
und Unterschiede in der Wahrnehmung belasteten Geschichte. Eine Vielzahl dieser
Projekte - beispielsweise zur Industriegeschichte - wirken bis heute nach. Erste
Ansätze zur systematischen Erforschung des Nationalsozialismus an der Saar und
im Grenzraum führten außerdem zu interessanten pädagogischen Ansätzen - wie
zum Beispiel dem alternativen Stadtrundgang in Saarbrücken.
Zur Ausweitung des Forschungsstandes über die saarländische Nachkriegsgeschichte
trugen in den folgenden Jahren sowohl institutioneile Aspekte als auch die
Verbesserung der Quellengrundlage bei. Institutionell bedeutsam war die Einrichtung
des Historischen Museums Saar im Jahr 1988. Das Museum belebte die regionalhistorische
Forschung mit zwei Dauerausstellungen, deren wissenschaftliche
Begleitbände auf intensiver Forschungsarbeit beruhten, sowie mit seinen regelmäßigen
Sonderausstellungen nachhaltig. Die Forschungsförderung des saarländischen
Landtags zwischen 1987 und 2002 erlaubte die Realisierung umfangreicher
Projekte. Auf der Grundlage dieser Unterstützung konnten — in Zusammenarbeit
mit dem französischen Außen- sowie dem Wirtschafts- und Finanzministerium -
wichtige französische Archivmaterialien verfilmt und damit in Saarbrücken zugängig
gemacht werden. Die Volkswagen-Stiftung unterstützte diese Verfilmungsarbeiten
ebenso großzügig wie die Forschungsprojekte von Armin Heinen, Hans-Christian
Herrmann und Judith Hüser. Besondere Fördermittel stellten auch die
Union Stiftung - welcher das vorliegende Buch mit zu verdanken ist - und die
Stiftung Demokratie Saarland zur Verfügung. Auf dieser Basis entstand ein wesentlicher
Teil dessen, was heute als neuerer Forschungsstand zur Saargeschichte
nach 1945 bezeichnet werden kann.
Dieser neue Forschungsstand beruht vor allem auf dem Zugang zu den
Saar-Akten der französischen Regierung aus der Zeit nach 1945, dem Material der
französischen Vertretung an der Saar und dem schrittweise immer weiter ausgebauten
Fundus an Privatnachlässen, die Forschem von saarländischen und aus¬21