positiv die allgemeinen moralischen Prinzipien des Christentums zu verteidigen
bereit ist. Der politischen Klarheit halber halten wir es für gut, festzustellen, daß
die alte Zentrumspartei sowohl auf dem Gebiete des Kampfes um die Demokratie
wie auch dem der Verteidigung der christlichen Glaubensfreiheit total versagt hat.
Gab es vielleicht einen besseren Schutz des Christentums und der kirchlichen
Organisationen als die Weimarer Verfassung? Und hat nicht die sich christlich
nennende Zentrumspartei diesen Schutzwall der Weimarer Verfassung durch ihre
Zustimmung zum Ermächtigungsgesetz am 24. März 1933 eingerissen? Erst als
diese Bastion gefallen war, hatte der Nationalsozialismus freies Spiel, auch zur
Entwicklung des Kampfes gegen die Kirche und das Christentum. An der
Christlichen Volkspartei liegt es, uns den Beweis dafür zu erbringen, daß sie mit
allen wohlgesinnten demokratischen Kräften bereit ist, am Neubau einer neuen
Gesellschaftsordnung - wir betonen Gesellschaftsordnung - zusammenzuarbeiten
und damit dem wahren Christentum, das Dienst an der menschlichen Kreatur ist,
ihren Tribut zu zollen.
Von der Kirche erwarten wir, daß sie die Lehren des tausendjährigen Reiches auf
sich wirken läßt und überprüft, ob sie vor und während der Naziherrschaft immer
den richtigen Weg gegangen ist und ob nicht auch eine, gerade aus dem Religiösen
heraus zu fördernde Gewissensschärfung das Unglück, das mit dem Nationalsozialismus
über uns gekommen ist, hätte aufhalten können. Wir verneinen keinesfalls
die Rolle, die wahres Christentum in der Gestaltung kommender Lebensformen zu
spielen hat und wir würden als ein sichtbares Zeichen für die Tatsache, daß die Kirche
ihre Aufgabe begriffen hat, schon die Wiederkehr einer sauberen und wohltuenden
Atmosphäre der Toleranz ansehen, zu deren Schaffung wir die Kirche
aufrufen.
Entschließung
Nach seiner häufig durch Beifall unterbrochenen Rede gab Genosse Roth die zum
Referat gehörenden Anträge und Entschließungen bekannt. Die vom Bezirksvorstand
vorgelegte politische Entschließung lautet wie folgt:
„Die Sozialdemokratische Partei des Saargebietes erklärt aus Anlaß ihres ersten
ordentlichen Parteitages nach 1935, daß sie eine ihrer wichtigsten Aufgaben in der
radikalen Überwindung jener Kräfte erblickt, die für die politische, wirtschaftliche
und moralische Katastrophe verantwortlich sind, in die der Nationalsozialismus unser
Volk gestürzt hat. Das politische Ziel der wiedererstandenen Sozialdemokratischen
Partei bleibt, wie in der Vergangenheit, die Schaffung einer Sozialisten
Gesellschaftsordnung als einzige Garantie für die Wohlfart der Schaffenden und
die Erhaltung des Friedens. Im Hinblick auf dieses Ziel gibt der Parteitag dem
Wunsche Ausdruck, durch geeignete Maßnahmen nicht nur jeden nationalsoziali¬316