Full text : Das Saarland zwischen Frankreich, Deutschland und Europa

Erlauben  Sie  mir,  daß  ich  in  diesem  Zusammenhang  unsere  sozialdemokratische
Stellungnahme  zu  einer  neuartigen  politischen  Bewegung  zu  präzisieren  versuche.
Es  handelt  sich  um  das  MRS.  Diese  Bewegung,  in  der  sich  Persönlichkeiten  der
verschiedensten  politischen  Schattierungen,  und  selbstverständlich  auch  Sozialdemokraten
  vereinigt  haben,  um  einem  evtl,  politischen  Anschluß  der  Saar  an
Frankreich  den  Boden  zu  bereiten,  mußte  sowohl  hinsichtlich  der  Art  der  vielleicht
durch  untergeordnete  Organe  entwickelten  Aktivität,  wie  auch  ihrer  eigentlichen
Zielsetzung  wegen  zum  Gegenstand  politischer  Diskussionen  werden.  Ich  halte  den
Augenblick  für  gekommen,  zu  erklären,  daß  die  Sozialdemokratische  Partei  des
Saargebietes  in  der  Vergangenheit  strengstens  Wert  darauf  gelegt  hat  und  das  auch
in  Zukunft  tun  wird,  ihre  absolute  Unabhängigkeit  dieser  Organisation  gegenüber
zu  betonen.  Es  verbinden  uns  mit  ihr  weder  politische  noch  organisatorische  Fäden.
Da  die  politischen  Forderungen  des  MRS  nicht  die  gleichen  wie  die  der  Sozialdemokratischen
  Partei  sein  können,  versteht  sich  von  selbst,  daß  wir  dieser  Bewegung
  gegenüber  die  uns  politisch  geboten  erscheinende  Reserve  an  den  Tag  legen.
Wir  lieben  es  nicht,  wenn  das  MRS  sich  gelegentlich  als  der  Wächter  der  Interessen
  Frankreichs  an  der  Saar  aufspielt  und  jede  Bemerkung  an  seine  eigene
Adresse  als  eine  Kritik  an  Frankreich  ansieht.  Wir  haben  Frankreich  ebensowenig
wie  eine  andere  Besatzungsmacht  zu  kritisieren.  Dazu  fehlt  uns  jedes  moralische
und  tatsächliche  Recht  und  dazu  fehlt  uns  auch  der  Anlaß.  In  unserer  eigenen  Partei
ist  das  Recht  der  freien  Meinungsäußerung  bis  zum  äußersten  von  uns  selbst  zu
schützen.  Wer  hier  nach  der  einen  und  nach  der  anderen  Richtung  sündigt,  muß  zur
Ordnung  gerufen  werden.
Ich  werde  niemals  eine  Politik  unterstützen,  die  geeignet  sein  könnte,  die  wahren
und  berechtigten  Interessen  Frankreichs  zu  schädigen.  Ja,  ich  habe  vor  fast  nunmehr
  einem  Jahr  den  Schritt  zurück  in  die  Heimat  getan,  mit  dem  felsenfesten
Gelöbnis,  einer  Politik  zu  dienen,  die  Frankreich  und  Deutschland  zusammenführen
  möge  in  einer  europäischen  Vereinigung,  in  der  sich  die  beiderseitigen
Interessen  in  der  harmonischsten  Weise  in  Übereinstimmung  bringen  lassen.  [...]
Ebensowenig  wie  wir  jemals  unser  Bekenntnis  zur  Demokratie  aus  taktischen
Erwägungen  aufgegeben  haben,  ja,  wie  wir  sogar  immer  bereit  waren,  für  dieses
Bekenntnis  Opfer  auf  uns  zu  nehmen,  ebenso  sehr  müssen  wir  bereit  sein,  unseren
Internationalismus  unter  allen  Umständen  zu  verteidigen.
Bilden  nicht  gerade  diese  beide  Tatsachen  das  Charakteristikum,  das  uns  heute
noch  mehr  denn  früher  von  den  Kommunisten  unterscheidet?  Wir  haben  niemals
als  Sozialdemokraten  vor  autoritären  und  nationalistischen  Regierungssystemen
kapituliert  oder  unsere  Überzeugungen  taktischen  Bedürfnissen  zum  Opfer  gebracht,
  wie  das  die  Kommunistische  Partei  im  Hinblick  auf  den  Kampf  um  die  Demokratie
  und  die  Verteidigung  eines  gewissen  Bündnisses  zwischen  dem  nationalsozialistischen
  Deutschland  und  Rußland  kurz  vor  Ausbruch  des  Krieges  zu  tun
verpflichtet  war.  Wir  wissen,  daß  sich  die  Kommunistische  Partei  eben  dadurch  in

314
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.