unseres Schicksals, daß sie begreifen mögen, wie notwendig es ist, eben wenn wir
die Wiedergutmachung durchfuhren sollen, uns den Glauben an eine noch so
bescheidene eigene Zukunft nicht zu nehmen.
[...]
Und so sehen wir Sozialdemokraten die beste Garantie für den Frieden nicht in
neuen Siegfried- oder Maginotlinien, selbst wenn sie nur geistiger Natur seien,
sondern in der Aufrichtung einer sozialen Ordnung, die selbst dem Frieden
dienend, ihre menschlichen Träger ebenfalls dem Frieden und nur dem Frieden
verpflichtet. Diese Ordnung aber kann nur der Sozialismus sein. Und unter dieser
Voraussetzung werden wir Sozialdemokraten jeder staatspolitischen Lösung des
deutschen Problems unsere Zustimmung geben und an ihrer Vollendung
mitarbeiten, die der Erreichung dieses großen Zieles nicht hemmend im Wege
steht. Die Alberten können uns darin schon jetzt weitgehend unterstützen, wenn sie
den Entnazifierungsprozeß über die persönliche in die wirtschaftliche Sphäre
hinaus fortsetzen wollten.
Ich wiederhole, was ich schon vorhin zum Ausdruck brachte, die Saarfrage wird
ebenso wie die gesamtdeutsche Frage ohne unsere direkte oder auch indirekte
Mitwirkung entschieden werden. Was die Sozialdemokratie, um einer drohenden
Gefahr zu begegnen, auf die uns der Herr Gouverneur persönlich in fürsorglicher
Weise aufmerksam machte, zum Saarproblem zu sagen hat, brachte sie eindeutig
als erste saarländische Partei in einer einstimmig vom erweiterten Bezirksvorstand
in der Sitzung vom 6. April angenommen Entschließung zum Ausdruck.
Sie ist klar, deutlich und unmißverständlich und die Sozialdemokraten an der Saar
erneuern heute die in dieser Entschließung niedergelegte Erklärung, indem sie betonen,
daß sie von einem engen wirtschaftlichen Zusammenarbeiten des Saargebietes
mit Frankreich eine glückliche Lösung der besonderen wirtschaftlichen Schwierigkeiten
unseres engeren Heimatgebietes erwarten. Darüber hinaus bekennen sie
sich zu den Beschlüssen, mit denen die sozialistische Internationale auf ihrem
jüngsten Kongreß in England zur Lösung der europäischen Probleme Stellung
genommen hat.
[...]
Ich möchte dieses Kapitel aber nicht verlassen, ohne anerkennende Worte für die
Fürsorge auszusprechen, mit der der höchste Vertreter Frankreichs in unserem
engeren Heimatland, Herr Gouverneur Grandval, bemüht ist, die Lebensinteressen
unseres Volkes zu schützen. Wir wissen, daß es dem stetigen Bemühen des Herrn
Gouverneurs zu verdanken ist, wenn gewisse Maßnahmen, die das industrielle
Leben anderer Zonen und Bezirke hart treffen, im Saargebiet noch nicht durchgeführt
worden sind. Und wir wollen uns davor bewahren, einer oberflächlichen
Propaganda zu folgen, die diesen Erfolgen der Aktivität unseres Gouverneurs einen
falschen Rahmen zu geben versucht.
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