zung wurde er hineingestellt in unseren werkenden Alltag, als eine Aufgabe, die
wir lösen müssen, wenn die Menschheit nicht untergehen soll. Besonders in unserem
Volk muß sich diese Erkenntnis entscheidend Bahn brechen. Wir Sozialdemokraten
erblicken den Beitrag, den wir im Interesse der Erhaltung des Friedens und
der Entwicklung der menschlichen Wohlfahrt leisten können, gerade darin, daß wir
uns mit allen unseren Kräften in den Dienst der Verwirklichung des Sozialismus in
unserem eigenen Lande stellen.
Lassen Sie mich damit zu einigen Problemen Stellung nehmen, die sich im Zusammenhang
mit den Plänen aufwerfen, nach denen die Zukunft Europas gestaltet
werden soll. Hier eine Vorbemerkung, von der ich wünsche, daß sie überall gut
verstanden werden möge:
Wir sind sehr skeptisch gegenüber allen Versuchen einer staatlichen Neuordnung,
die unseren sozialistischen Auffassungen entgegengesetzt sind und wir begrüßen
jede Maßnahme, von der wir hoffen dürfen, daß sie der Verwirklichung unserer
sozialistischen Zielsetzung nützlich sein kann. Wir betrachten deshalb sowohl die
Diskussion um die Frage zentralistischer Einheitsstaat oder föderativer Bundesstaat
als von zweitranger [sic] Bedeutung und werden jeder Lösung unsere Zustimmung
erteilen, die den zwei Zielen die wir vertreten, nicht im Wege stehen [sic]:
1. Einordnung in eine europäische Staatenföderation und 2. Erhaltung der Voraussetzungen
für den Umbau der kapitalistischen Gesellschaftsordnung, die einer
sozialistischen Planung der Wirtschaft und der gesellschaftlichen Beziehungen
Platz machen muß.
Wir verschweigen nicht, daß wenn es bestimmten Vorstellungen von Schaffung gewisser
Sicherheiten in anderen Ländern entspricht, wir entsprechende Lösungen
für durchaus möglich halten. Da wir uns aber mit der Tatsache abfinden müssen,
daß die Entscheidungen weder von uns beeinflußt, noch herbeigeführt werden können,
möchten wir auch wünschen, daß man uns nicht mit Verantwortung für sie
belastet.
Voraussetzung zu unserer Bereitwilligkeit, jeden gangbaren Weg einzuschlagen, ist
der eine große Wunsch: Erhaltung der Lebensbasis des schaffenden Volkes in einem
größeren europäischen Verband. Wir erklären nachdrücklichst, daß wir zu
dieser Überzeugung nicht nur gekommen sind, weil wir nicht wünschen, daß unser
Volk verhungere - was man uns wahrhaftig in keinem Lande verübeln sollte -
sondern auch weil wir glauben, daß ein Volk, das die Hoffnung auf ein normales
Leben nicht verliert, auch allen anderen Völkern Europas am besten dienen kann.
Wir wissen sehr wohl, daß das deutsche Volk, indem es dem Nationalsozialismus
folgte, ungeheure Schuld auf sich geladen hat. Wir möchten mehr als die bloße
Selbstverständlichkeit aussprechen, daß wir zu jeder Art von materieller Wiedergutmachung
aus tiefster Überzeugung heraus bereit sind, wir bekennen uns auch zu
einer Wiedergutmachung, die nicht allein im Materiellen, sondern auch im Moralischen
ihren Ausdruck finden muß. Damit verbinden wir die Bitte an die Meister
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