Full text : Das Saarland zwischen Frankreich, Deutschland und Europa

Wirklich  systematisch  konnte  bisher  nur  Armin  Heinen  die  Entwicklungsmuster  in
den  Beziehungen  zwischen  dem  Saarland,  Frankreich  und  der  Bundesrepublik  mit
ihren  jeweiligen  politischen  Kulturen  darstellen  und  dadurch  zeigen,  worin  die
Gründe  für  das  letztendliche  Scheitern  des  teilautonomen  Saarstaates  lagen.  Aus  all
diesen  Gründen  wird  die  Erforschung  der  Saar-Geschichte  mit  all  ihren  Hintergründen
  und  Implikationen  sowohl  methodisch  als  auch  sachgeschichtlich
schwierig  bleiben.
Zum  Gang  der  Forschung
Wenn  im  Folgenden  immer  wieder  von  neueren  Forschungen  zur  Geschichte  der
Saar  die  Rede  sein  wird,  ist  stets  zu  berücksichtigen,  dass  die  Saar-Forschung  im
Unterschied  zu  vielen  anderen  regional  ausgerichteten  Forschungszweigen  der
deutschen  Geschichtswissenschaft  insgesamt  eine  recht  kurze  Tradition  aufweist.
Forschungen  der  1920er  und  1930er  Jahre  -  im  Umfang  ohnehin  sehr  begrenzt  -
waren  meist  stark  politisch  motiviert  und  gefärbt.  An  der  Saar  fehlte  eine  eigenständige
  Universitätstradition.  Selbst  Saarbrücken,  wo  immerhin  Einrichtungen
höherer  Bildung  existierten,  übte  in  bildungspolitischer  Hinsicht  keine  Leitfunktion
aus,  die  eine  eigenständige  Forschung  zur  Territorial-  oder  Dynastiegeschichte  des
heutigen  Saarlandes  hervorgebracht  hätte.
Den  entscheidenden  Anstoß  zur  Entwicklung  einer  historischen  Saar-Forschung
legte  erst  die  Gründung  der  saarländischen  Universität  im  Jahr  1948.  Ähnlich  wie  in
der  juristischen  und  ökonomischen  Forschung  bestand  nun  erstmals  die  Möglichkeit
zu  eigenständiger  geschichtswissenschaftlicher  Forschung.  Besondere  Aufmerksamkeit
  -  auch  in  der  internationalen  politikwissenschaftlichen  Forschung  (Jacques
Freymond)  -  fand  die  Saargeschichte  vor  allem  in  den  sechziger  Jahren.  Im  Rahmen
teilweise  breit  angelegter  Forschungsprojekte  wurden  wesentliche  Grundlagen  für
Analyse  und  Interpretation  der  saarländischen  Nachkriegsgeschichte  gelegt.
Parallel  dazu  traten  Impulse  durch  institutioneile  Verbesserungen.  Dazu  zählt
vor  allem  die  Gründung  des  Landesarchivs  Saarbrücken  im  Jahr  1952,  das  heute
die  archivarische  Zentralfunktion  im  Bundesland  wahmimmt  und  seine  Bestände
durch  gezielte  Sammlung  und  Erwerb  sehr  schnell  auch  um  Quellen  aus  früheren
Epochen  erweiterte.  Eng  damit  verbunden  war  die  Einrichtung  der  Kommission  für
Saarländische  Landesgeschichte  und  Volksforschung  im  gleichen  Jahr.  Sie  nimmt
als  zentrales  Kommunikations-  und  Koordinationsgremium  eine  wichtige  Aufgabe
bei  der  Strukturierung  der  verschiedenen  Initiativen  zur  Saar-Forschung  und  deren
nationaler  und  internationaler  Einbettung  wahr  und  fördert  nicht  zuletzt  mit  ihrer
Schriftenreihe  die  interdisziplinäre  Zusammenarbeit.  Drittens  ist  das  Institut  für
Landeskunde  zu  nennen,  welches  als  eigenständige  Forschungseinrichtung  an  der
Universität  des  Saarlandes  jahrzehntelang  eine  eigene  Spezialbibliothek  unterhielt,
Forschem  aus  anderen  Regionen  Arbeitsmöglichkeiten  eröffnet  und  durch  sein

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