Nr. 21
Bericht über die erste Nachkriegs-Maifeier
Der Vorsitzende der Einheitsgewerkschaft der Eisenbahner und Postler Eduard
Weiter rechtfertigte in seiner Mai-Ansprache die Politik der Einheitsgewerkschaft
und gründete sie insbesondere auf die deutsche Verantwortung Jur das nationalsozialistische
Regime.
Bericht über die Feier zum 1. Mai 1946 in der „Neuen Saarbrücker Zeitung“.
4.5.1946
Die Maifeier in der Wartburg
Der Andrang zur Maifeier war so stark, daß schließlich der Zugang gesperrt werden
mußte und Hunderte unverrichteter Sache wieder nach Hause mußten. Der
Abend wurde durch eine Rede von Herrn Eduard Weiter, dem Vorsitzenden der
Einheitsgewerkschaft der Eisenbahner und Postler, eingeleitet.
„Der 1. Mai 1933 war der schwärzeste Tag in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung.
Am 2. besetzte Hitler die Gewerkschaftshäuser und ließ alle demokratischen
Gewerkschaftsfunktionäre verhaften und in Konzentrationslager und
Zuchthäuser sperren. Alles wurde gleichgeschaltet. Der Weg zur Militarisierung
des deutschen Volkes war freigelegt. Die Deutsche Arbeitsfront wurde geschaffen.
Sie war keine Gewerkschaft, sondern eine militärische Organisation, in der es nur
gehorchen, still stehen und marschieren gab. Die Hauptursache, daß es soweit kam,
war die Spaltung der Arbeiterschaft. Daraus muß man Lehren ziehen. Jeder, der
etwas Verantwortungsgefühl unserem Volk und den Völkern dieser Welt gegenüber
hat, muß alles vermeiden, was die nun geschaffene Einheit durch Hineintragen
von nicht gewerkschaftlichen Fragen gefährden könnte. Wir werden gegen jeden
Vorgehen, der versucht, die Einheit zu stören. Wir dulden keine parteipolitischen
oder konfessionellen Diskussionen. In unseren Reihen gibt es nur antifaschistische,
demokratische Gewerkschaftler.
Wir sind erst im Aufbau begriffen, aber zehntausende sind schon organisiert. Mit
dem Wachsen unserer Gewerkschaft steigen unsere Aufgaben. Wir wollen eine
neue Demokratie aufbauen, wo wir nicht nur mitberaten, sondern mitbestimmen
werden. Das bedeutet: keine Handlungen in den Betrieben ohne Mitbestimmung
und Kontrollrecht der Betriebsräte; keine Handlungen in Wirtschaft und Verwaltungen
ohne Mitbestimmungs- und Kontrollrecht in der Einheitsgewerkschaft.
Wir verlangen Rechte, haben aber auch Pflichten. Wir haben wieder aufzubauen.
Das bedeutet, alle Kräfte anzuspannen, um den Aufbau zu beschleunigen. In den
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