schaftlicher Integration zwar teilweise mit denen der jungen Bundesrepublik. Doch
war das Saarland durch die Entwicklung der Weltwirtschaft und insbesondere im
Stahl- und Energiesektor bald mit völlig neuen Belastungen konfrontiert. Dass die
Wähler nach dem Referendum im Oktober 1955 vor allem in den agrarisch geprägten
Teilen des nördlichen Saarlandes scharenweise von der Christlichen
Volkspartei (CVP) zur Christlich Demokratischen Union (CDU) überliefen, hatte
somit nicht zuletzt wirtschaftliche Hintergründe.
Spätestens seit 1919 also wurde die Geschichte des „Saargebiets“ zum Spiegelbild
der Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich mit all ihren Rückwirkungen
auf den europäischen und transatlantischen Kontext. Nach 1945 waren
die Strategien zur Lösung des Saarkonfliktes eng verknüpft mit der deutsch-französischen
Aussöhnung, der europäischen Integration und der Westbindung der Bundesrepublik.
Die Lösungsversuche wurden in diesen Zusammenhängen erarbeitet,
die Verhandlungsdelegationen setzten sich aus einem engen Kreis hochrangiger
außenpolitischer Vertreter zusammen, und die jeweiligen Lösungsstrategien orientierten
sich über Jahre hinweg an den Entwicklungen der internationalen Kooperation
in Westeuropa. Wenngleich die Geschichte der internationalen Beziehungen
inzwischen zu einer eigenen geschichtswissenschaftlichen Fachdisziplin geworden
ist, so lässt sie sich im Falle des Saarlandes nicht von der nationalstaatlichen und
regionalgeschichtlichen Ebene trennen. Eine eindeutige sachgeschichtliche Einordnung
der Saar als Ausgangspunkt, Gegenstand oder Ergebnis internationaler Politik
ist daher kaum möglich. Die Europäisierungskonzepte der fünfziger Jahre verdeutlichen
dies ebenso wie die bis heute gepflegte Vorstellung von einer „Brückenfunktion“
des Saarlandes zwischen Deutschland und Frankreich.
Die bundesdeutsche Debatte über regionalwissenschaftliche Ansätze in der Geschichtsforschung
zeichnet sich - abgesehen von zahlreichen Bezügen zu vergleichbaren
Debatten in anderen Ländern - durch eine Reihe von Besonderheiten
aus, die auf dem spezifischen deutschen Geschichtsverständnis und den daraus
resultierenden Wissenschaftstraditionen fußen. So sind Rolle und Bedeutung der
nach 1945 gegründeten Bundesländer als Erben des deutschen Föderalismus
ebenso heftig umstritten wie Sinn und Ertrag regionalhistorischer Ansätze zur
Erforschung der Bundesrepublik. Zwar gibt es inzwischen gerade für die
Nachkriegszeit zu fast allen Bundesländern eine Vielzahl von regionalgeschichtlichen
Untersuchungen, die sich durch ihre große methodische Breite und fruchtbare
Ansätze zur interdisziplinären Zusammenarbeit auszeichnen. Doch erweisen
sich die Bundesländer für die Geschichtswissenschaft aus methodischen Gründen
bis heute als besonders schwieriger Gegenstand. Die jüngst verstärkten Initiativen
zur Begründung einer „Bundeslandgeschichte“ als eigene Teildisziplin sind insgesamt
noch nicht weit fortgeschritten. So kann zum Beispiel bislang die Frage nur
unvollständig beantwortet werden, inwiefern der Saar-Konflikt auch als innerdeutscher
Konflikt zwischen Zentrum und Peripherie interpretiert werden müsse.
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