Full text : Das Saarland zwischen Frankreich, Deutschland und Europa

Nr.  19
Wiederaufbauprobleme  in  Saarbrücken

Der  Tätigkeitsbericht  des  Saarbrücker  Oberbürgermeisters  gibt,  wenngleich  in
trockener  Verwaltungssprache,  ein  anschauliches  Bild  von  der  Spannbreite  der
Schwierigkeiten,  die  beim  Wiederaufbau  zu  bewältigen  warenf  Die  Ernährungslage
  gehörte  zu  den  dringendsten  Problemen,  um  deren  Lösung  sich  auch  die  Besatzungsmacht
  intensiv  bemühte.  Die  Zuteilungen  spiegeln  zugleich  wider,  welche
Güter  in  der  Bevölkerung  am  meisten  gesucht  waren;  auf  dem  Schwarzmarkt  ergab
sich  daher  ein  ähnliches  Bild.  '  Die  Gewerkschaften  hatten  im  politischen  Alltag  zu
dieser  Zeit  überall  in  der  französischen  Zone  eine  starke  Position,  so  auch  in  den
Zuteilungsverfahren.  Vieles  scheiterte  -  wenn  nicht  am  Gütermangel,  dann  an  den
Transportproblemen.  Die  Requisitionen  durch  die  Besatzungsmacht  gehörten  zu
den  Themen,  welche  die  Unzufriedenheit  in  der  Bevölkerung  am  meisten  förderten
und  bald  psychologisch  auch  zu  verdecken  begannen,  dass  die  schwierige  Gesamtlage
  auf  die  Folgen  der  Politik  des  Dritten  Reiches  und  nicht  auf,,  die  Franzosen  “
zurückzuführen  war.
Tätigkeitsbericht  des  Oberbürgermeisters  von  Saarbrücken  Emil  Peter  Heim.
15.4.1946
Stadtarchiv  Saarbrücken,  GS,  Nr.  4.
Tätigkeitsbericht  der  Stadt  Saarbrücken  für  die  Zeit  vom  16.3.  bis  15.4.1946
A) Bevölkerungsbewegung
[...]

B)  Wohnungswesen
[...]
C)  Ernährung  und  Wirtschaft
I. Ernährung
Während  des  Berichtsmonats  wurde  die  Brotration  von  320  auf  275  g  für  die  Normalverbraucher
  über  18  Jahre  herabgesetzt.

:  Siehe  dazu  u.a.  HEINEN,  Saarjahre,  S.  126  ff.;  H.-C.  HERRMANN,  Vom  Wiederaufbau  zur
Landeshauptstadt;  SECK  u.  PETERS,  Die  Stunde  Null;  BAUDOUI,  Französische  Wiederaufbaupolitik;
  Heckmann,  Lebenswirklichkeit  im  Nachkriegsalltag;  Gehlen,  Problematik  der  Wohnungssituation.

3  Vgl.  dazu  ausführlich  HUDEMANN,  Sozialpolitik,  S.  74-123.

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