bohrt. Und er versteht auch das Mißtrauen, das in diesen Treuen gegenüber allem
besteht, was ihnen zunächst nur als Abklatsch nationalsozialistischer Gleichmacherei
erscheinen mag.
Und doch liebe Freunde, ich rufe es euch mit blutendem Herzen zu: jetzt bleibt
keine Wahl mehr, jetzt darf es kein Zögern mehr geben für keinen von euch! Jetzt
heißt es, unerbittlich und raschestens den Weg mutig zu beschreiten, der in eurem
Interesse und im Interesse eurer Arbeit, eurer Familien und eurer Zukunft liegt.
Oder glaubt irgendjemand, die Verantwortung dafür auf sich nehmen zu können,
daß die vielfältigen Probleme der allernächsten Zukunft, die auf wirtschaftlichem
und sozialem Gebiete gebieterisch vor uns stehen, gelöst werden ohne die christliche
Arbeiterschaft oder gar gegen sie?
[...]
Soll all das ohne euch und damit vielleicht gegen euch, die Mehrheit der schaffenden
Menschen an der Saar, entschieden werden? Nein, liebe Freunde, das können
wir vor der Partei nicht verantworten, und ihr, christliche Arbeiter, seid es euch,
euren Kindern und eurer Zukunft schuldig, daß eure Stimme bei dem Neuaufbau all
dieser lebenswichtigen Dinge zur Geltung kommt und sich zum Wohle der
Gesamtheit und zu euerem Wohle Geltung verschafft!
Das aber ist nur möglich, wenn ihr euch innerhalb der zugelassenen Organisation
der Arbeiter Gehör verschafft. Und diese Organisation der Arbeiter ist nun heute
und bis auf weiteres nur die Einheitsgewerkschaft. Ein Beiseitestehen wäre sinnlos,
eine Obstruktion verantwortungslos!
Nach den Bestimmungen des Gesetzes hat diese Einheitsgewerkschaft eine ganz
bestimmt umschriebene Aufgabe: die wirtschaftliche Interessenvertretung ihrer
Mitglieder. Sie hat sich freizuhalten von jeder andersgearteten Tätigkeit, insbesondere
hat sie die Verpflichtung zu absoluter Neutralität in religiösen und politischen
Fragen. Es wird sich erst erweisen müssen, ob diese vom Gesetzgeber auferlegten
Bedingungen von allen in der Einheitsgewerkschaft vertretenen Gruppen auch
wirklich eingehalten werden.
Die Militärregierung wird, daran zweifeln wir nicht, streng darüber wachen, daß
innerhalb der Gewerkschaft nur auf beruflicher Basis gearbeitet, keinerlei Parteipolitik
betrieben wird und kein Angriff in religiöser Beziehung erfolgt. Und es wird
nicht zuletzt Aufgabe gerade der christlichen Vertreter in der Gewerkschaft sein,
die Militär-Regierung in diesem Punkte zu unterstützen, falls es notwendig sein
sollte.
[...]
Überdies habt ihr, christliche Arbeiter, sofort nach euerem geschlossenen Eintritt in
die Gewerkschaft die Möglichkeit, überall sofortige Wahlen zu verlangen für die
Vertrauensmänner-Ausschüsse und Vorstände. Wenn ihr geschlossen beitretet, seid
ihr in der Lage, Männer eures Vertrauens in genügender Zahl zu wählen und damit
die Tätigkeit des Verbandes in eurem Interesse und euerm Geiste zu beeinflussen.
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