Full text : Das Saarland zwischen Frankreich, Deutschland und Europa

Zuge  der  Eingliederung  keine  Versuche  zur  systematischen  Lösung  grundlegender
regionalpolitischer  Probleme  unternommen  wurden.  Nicht  ganz  unschuldig  daran
waren  auch  die  internationalen  Bemühungen  um  die  Lösung  der  Saarfrage,  deren
unzulängliche  Ergebnisse  viele  Probleme  schlichtweg  vertagten  oder  auf  andere
Entscheidungsebenen  verlagerten.  So  wurde  das  Luxemburger  Vertragswerk  weniger
  zu  einer  Grundlage  künftiger  Kooperation,  sondern  eher  zu  einem  Regelsystem,
das  mit  großem  Aufwand  alle  erdenklichen  negativen  Auswirkungen  einer  Kooperation
  zu  verhindern  suchte.  Insbesondere  der  Gedanke  einer  umfangreichen
wirtschaftlichen  Kooperation  im  Grenzland  blieb  dadurch  ohne  Widerhall.
Indem  ein  Zusammenbruch  ganzer  Wirtschaftszweige  oder  das  Auftreten  massenhafter
  Arbeitslosigkeit  verhindert  werden  konnten,  wurde  zumindest  das  entscheidende
  politische  Ziel  der  Übergangszeit  erreicht.  Dazu  trug  neben  dem
günstigen  konjunkturellen  Umfeld,  den  umfangreichen  Finanztransfers  und  der
stabilen  Situation  der  saarländischen  Wirtschaft  auch  die  saarländische  Landespolitik
  bei.  Abseits  aller  Konflikte  über  die  Vergangenheit,  die  noch  über  lange
Jahre  hinweg  in  der  Öffentlichkeit  ausgetragenen  wurden,  gingen  die  politischen
Entscheidungsträger  in  Sachfragen  bereits  unmittelbar  nach  der  Abstimmung  zu
einer  intensiven  Zusammenarbeit  über.  Damit  aber  erwies  sich  die  politische  Einheit
  „Saarland“  weit  über  die  Amtszeit  von  Johannes  Hoffmann  hinaus  -  auch  und
gerade  in  den  Händen  seiner  politischen  Gegner  -  als  wirksames  Instrument
regionalpolitischer  Problembewältigung.

Literaturhinweise
Alexis  Andres,  Edgar  Hector  und  die  Saarfrage  1920-1960,  in:  Hudemann,  Jellonnek  u.
Rauls,  Grenz-Fall,  S.  163-176
Arbeitskammer  des  Saarlandes  (Hg.),  Menschen  an  der  Saar.  Eine  Bestandsaufnahme
des  Institutes  für  Sozialforschung  und  Sozialwirtschaft,  Saarbrücken  1977
Christoph  Baginski,  Frankreichs  Kirchenpolitik  im  besetzten  Deutschland  1945-1949,
Mainz  2001  (=  Quellen  und  Abhandlungen  zur  mittelrheinischen  Kirchengeschichte  87)
(=  DERS.,  La  politique  religieuse  de  la  France  en  Allemagne  occupée  1945-1949,
Villeneuve-d’Ascq  1997)
Gerhard  Bauer,  Hundert  Jahre  christliche  Politik  an  der  Saar.  Vom  Zentrum  zur  CDU,
Saarbrücken  1981
Klaus  J.  Becker,  Die  KPD  in  Rheinland-Pfalz  1946-1956,  Mainz  2001  (=  Veröffentlichungen
  der  Kommission  des  Landtages  für  die  Geschichte  des  Landes  Rheinland-Pfalz  22)
Winfried  BECKER,  Die  Entwicklung  der  Parteien  im  Saarland  1945  bis  1955  nach  französischen
  Quellen,  in:  Hudemann  u.  Poidevin,  Die  Saar  1945-1955,  S.  253-296
Winfried  BECKER,  Johannes  Hoffmann  und  die  frühe  Programmatik  der  CVP.  Zum  Beginn
christlicher  Parteibildung  im  Saarland  nach  1945,  in:  Revue  d’Allemagne  18  (1986),
S.  25-45

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