Full text: Die Berliner Herpin-Handschrift in der Staatsbibliothek zu Berlin (Ms. Germ. Fol. 464)

einer seiner Vettern. Gadiffer ist in Kückenansicht vor dem Papst positioniert. Mit einem Ausfallschritt 
reicht er dem Papst den Ring, den dieser mit einer abwehrenden Handbewegung zpr Kenntnis nimmt. 
In Nicosia schenken die Kaufleute Herpin dem König von Zypern. Dieser lässt den 
Herzog mit 4000 weiteren Christen in einen Turm sperren für einen Gefangenenaus¬ 
tausch. Der König von Zypern entscheidet, die Christen an seine maurischen Freunde zu 
verschenken und so gelangt Herpin nach Toledo. Zuerst will der König von Toledo die 
Gefangenen umbringen lassen, doch seine Tochter Florie rät ihm, die Christen als Kämp¬ 
fer gegen den verfeindeten Marsilius einzusetzen. Daraufhin lässt der König die Christen 
in einen Turm bringen (Bl. 53'—54'). 
(Bl. 53V/Abb. 19): Hin Henkersknecht führt den gefesselten Herzog an einem Seil in den durch 
Bossenquadem als wehrhaft gekennzeichneten Turm. Hinter dem Herzog erhebt ein weiterer Knecht mit 
tief ins Gesicht gezogenem Hut einen Stock. Am linken Bildrand steht der König von Zypern in langem 
Gewand, das um die Taille gegürtet ist, mit erhobenem Szepter. Auf seinen schulterlangen Haaren sitzt 
eine Krone mit Ulienzpcken. 
Der Miniator gestaltete den Innenraum ähnlich wie den der darüber liegenden Szene. Am linken Bild¬ 
rand ßhrt ein Wärter die Gefangenen aus dem Turm. Mit einem hoch erhobenen Stab zeigt er die 
Marschrichtung an. Rechts sind die Gefangenen nicht mehr in Zypern, sondern schon in Toledo eingetrof¬ 
fen, wo sie dem König überreicht werden. Dieser begrüßt den Boten mit erhobenem Szepter. Dem heidni¬ 
schen König sind die typischen Merkmale mitgegeben: Tin markantes Gesicht, Kinnbart und schulterlan¬ 
ge, dünne Haare. Neben dem König steht seine Tochter Florie, die die Tötung der Gefangenen ablehnt, 
wie an der Gestik zp erkennen ist. Die Königstochter trägt eine Robe mit eng anliegendem Mieder und 
stoffreichem Rock mit langer Schleppe. Ihr Kleid zfff den gleichen Schnitt wie das von Adelheid. Ihr 
Haar ist unter eine Hömerhaube gesteckt. 
4.3. Die Abenteuer der Herzogin Adelheid 
Nachdem die Räuber mit Herzogin Adelheid im Wald einen Rasplatz mit Brunnen gefun¬ 
den haben, entzweien sich die Räuber und erschlagen sich gegenseitig. Die daraufhin freie 
Herzogin legt die Kleidung^' und das Schwert eines Räubers an und flieht (Bl. 13-14*). 
(Bl. 12v/Abb. 7): Die Szene spielt am Waldrand in einer leicht hügeligen Tandschaft. Vereinzelte 
Büsche und Bäume säumen die Quelle, die aus einem großen Hügel entspringt. In der Feme ist schemen¬ 
haft eine Stadt mit Kirchtürmen zp sehen. Im Vordergmnd liegen die Räuber, die sich gegenseitig erschla¬ 
gen haben, tot auf dem Boden. Die hochkrempigen Hüte sind ihnen von den Köpfen gefallen, dem vorders¬ 
ten Räuber steckt das Schwert zwischen den Rippen. Dahinter steht Adelheid mit einem Messer in der 
linken Hand. Über ihrem rechten Arm hängt ein Räuber mit schulterlangen Haaren. Mit dem Messer 
353 Zum Motiv weiblicher Krieger und Frauen in Männerkleidung vgl. GAEBEL 1999, bes. S. 367—382; 
WEHSE 1987, Sp. 168-186; THOMAS 1971, S. 107f. und VON BLOH 2002b, S. 505-515. Die Funktion 
mittelalterlicher Kleiderordnung war die Differenzierung von Standes- und Geschlechtszugehörigkeit. 
Diese Funktion ist aufgehoben, sobald eine Frau zu Waffen oder männÜcher Kleidung greift (vgl. hierzu 
die vor allem im 17. und 18. Jahrhundert bezeugten Fälle von Frauen, die besonders im Militär und in 
der Seefahrt beschäftigt waren, DEKKER/POL 1990 und unten Kapitel 5.3., S. 122f.). 
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