Full text: Die Berliner Herpin-Handschrift in der Staatsbibliothek zu Berlin (Ms. Germ. Fol. 464)

Oberschenkel und blickt den davon reitenden Räubern hinterher. Zu dessen rechter Seite liegt ein nackter 
Säugling mit lockigem Haar auf einer Waldlichtung. Das rote Kreu^ zeichnete der Illustrator auf dessen 
Oberarm, nicht, me in der Erzählung, auf die Schulter. Schräg hinter dem Kind verschwindet ein weiterer 
Räuber in den dichten Wald. 
4.2. Die Abenteuer Herzog Herpins 
Während Herpins Ehefrau in den Wehen liegt, macht sich der Herzog auf den Weg, Hilfe 
zu suchen. Nach einiger Zeit kommt er wieder an seinen Ausgangspunkt zurück, findet 
aber weder Frau noch Kind. Verzweifelt und verängstigt klettert er in der Nacht auf eine 
Eiche, um sich vor dem Unwetter und den wilden Tieren im Wald zu schützen. Nachdem 
er Adelheid am nächsten Tag vergebens gesucht hat, nimmt er an, seine Frau und sein 
Kind seien tot und beschließt, nach Florenz zu gehen (Bl. 10—ll1). 
(Bl. 10r/Abb. 5): Der Bildausschnitt steigt Central das Geäst einer beinahe blattlosen Eiche, auf die 
der Herzog geklettert ist. Im Hintergrund ist kein Wald erkennbar, eher eine leicht hügelige Eandschaft 
mit kahlen Bäumen und Eeisen im rechten Abschnitt. 
Vor den Mauern von Florenz kommt er an einer Abtei vorbei, an der er um Speise bit¬ 
tet. Der Abt des Klosters kennt den Herzog und empfängt ihn in seinen Mauern. Der 
Herzog berichtet dem Abt von seinem Schicksal und seinem Plan, eine Einsiedelei in den 
Wäldern um Rom zu errichten. Gemeinsam bauen sie diese und leben ein entbehrungsrei¬ 
ches und gottesfürchtiges Leben (Bl. 15V—171).34 
(Bl. 15v/Abb. 8): Die doppe ¡szenische Miniatur %eigt rechts im Vordergrund Herpins Ankunft im 
Kloster und in der linken oberen Ecke die Errichtung der Einsiedelei. Eine Baumreihe trennt die beiden 
Svenen sowohl räumlich als auch zeitlich voneinander. Die zeitlich frühere Sgene wurde auf der rechten 
Bildhälfte plattiert und nimmt den größeren Teil des Bildes ein. Vor dem Kloster, um das eine Mauer 
mit Torturm verläuft, an dem ein Wappenschild mit Abtsstab hängt, geben sich der Herzog und der Abt 
die Hand. Hinter der Mauer liegen die Kirche mit hohem Rundturm, auf dessen Spitze ein Kreu% steht, 
und weitere Gebäude. Herpins linke Hand ist %um Redegestus erhoben. Der Abt mit Tonsur und im 
Habit hört dem Herzog mit ernster Miene %u. Die Sgene der Errichtung der Einsiedelei ^eigt den Abt 
mit einer Axt einen Baumstamm spalten und Herpin, der mit der Axtrückseite die Balken ^usammen- 
nagelt. 
Täglich hält der Abt Messe und beide leben ein frommes Leben in der Einsiedelei. 
Gleichzeitig belagern Heiden die Stadt Rom und einige der heidnischen Späher gelangen 
zur Einsiedelei. Daraufhin beginnt sofort ein Kampf, in dem ein Heide den Kopf des Ab¬ 
tes spaltet. Herpin tötet alle Eindringlinge und bestattet den Abt. Dann kleidet er sich in 
ein Heidengewand und reitet nach Rom, um dem Papst zu helfen (Bl. 46'—48'). 
(Bl. 46V/Abb. 16): Die nahezu quadratische Illustration gibt %wei Seinen wieder: Einks oben sieht 
man den Abt und den Herzog während einer Messe. Die Kapelle, ein mit Stroh gedeckter Fach werkbau 
mit einer Glocke im Zwerchhaus, ist nach vorne geöffnet, sodass der Blick in das Innere frei ist. Dort 
347 Auch dieses Motiv ist im Verlauf der Geschichte gedoppelt, denn auch Lewe geht nach dem Tod Flo- 
rentines in die Einsiedelei (vgl. Berlin, Ms. germ. fol. 464, Bl. 350v—351r). 
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