Full text: Die Berliner Herpin-Handschrift in der Staatsbibliothek zu Berlin (Ms. Germ. Fol. 464)

Svenen bildet eine schräg gestellte Bogenöffnung, die zugleich auch den Übergang vom Hof gum Innen¬ 
raum darstellt. Hier ist die Sfene der Verleumdung Herpins gezeigt. Kaiser Karl sitff mit Krone, Szep¬ 
ter und Reichsapfel frontal auf einem hohen Thron syrischen fei Fenstern in der Mitte des Raums. Ne¬ 
ben ihm steht Clarien, der an der Treue Herpins feifeit und seinen Tod fordert. Die restlichen Vasallen 
des Kaisers hören der Anklage aufmerksam f 
In der Bildmitte stehen die Vasallen Kaiser Karls in fei Gruppen aufgeteilt um den toten Clarien, 
dem Herpin den Schädel gespalten hat. Die Figuren links gehören offenbar %u Herpins Partei: Ottger von 
Dänemark mit schulterlangem, gelocktem Haar und ein weiterer Freund, der Herpin sytrück hält. Dieser 
ist im Begriff erneut Aufschlägen. Ein Ritter hält einen Kontrahenten, der gum Dolch greift, von einem 
Gegenschlag ab. Am rechten Bildrand greift Kaiser Karl mit erhobenem Szepter ein. 
Adelheids Bitte um Vergebung für ihren Mann ist ebenfalls im Thronsaal dargestellt. Der Zeichner 
wandelte den Raum ein wenig ab, indem er sowohl die Balkendecke als auch den Eingang am linken 
Bildrand fichnete. Der Raum ist für den Betrachter wiedererkennbar gestaltet, obwohl der Illustrator 
durch Variation eine Kopie vermeidet. Der Thron des Kaisers steht am rechten Bildrand unter dem 
Thron des oberen Bildstreifens. Der die Insignien tragende Kaiser sieht die vor ihm kniende HerApgin an. 
Neben ihm steht ein Vasall, der gestisch den Tod Herpins fordert. Herpins Gemahlin bittet mit gefalteten 
Händen um Vergebung für ihren Gatten. Sie trägt eine langärmelige Robe mit engem Mieder und Rock. 
Zur Unterstütfng stehen Ottger von Dänemark, der Adelheids Schleppe trägt, und HerAog Nymo von 
Bayern mit vehementer Geste diskutierend hinter ihr. Zwischen der knienden Adelheid und dem Thron 
Kaiser Karls ist ein Kreuftockfenster in die Rückwand eingefichnet. 
Nachdem Herpin von Kaiser Karl verschont worden ist, verlässt er Frankreich mit sei¬ 
ner schwangeren Ehefrau und seinem Gefolge in Richtung Italien. In einem Wald in der 
Nähe von Florenz wird die Reisegesellschaft von Räubern angegriffen. Während alle Die¬ 
ner erschlagen werden und der gesamte Besitz gestohlen wird, flieht das Paar in den Wald. 
Als bei Adelheid die Geburtswehen einsetzen, versucht der Herzog Hilfe zu finden. Doch 
während er auf der Suche ist, gebiert Adelheid einen Sohn, der auf seiner rechten Schulter 
mit einem roten Kreuz gekennzeichnet ist (Bl. 6'). 
(Bl. 6r/Abb. 2): Der RaubAug findet auf einer Lichtung statt, die durch eine Baumreihe in der 
Bildmitte in fei Bildkompartimente geteilt ist. In der linken Ecke liegen die erschlagenen Diener Her¬ 
pins. Über deren am Boden liegende Körper führen die Räuber die mit dem Diebesgut beladenen Pferde 
hinweg. Im rechten Bildfeld wendet sich Herpin, dessen Hand am Schwertknauf liegt, f seiner schwange¬ 
ren Ehefrau um, die ihn mit der rechten Hand berührt und mit der linken auf ihren Bauch deutet. Mit 
dieser Geste verweist der Zeichner auf die bevorstehende Geburt. 
Kurze Zeit nach der Geburt ihres Kindes Lewe wird die Herzogin Adelheid von drei 
Räubern entführt. Den Säugling, dessen hoher Rang und adlige Geburt durch ein rotes 
Kreuz an der Schulter gekennzeichnet ist, lassen die Räuber auf einer Waldlichtung zurück 
(Bl. 7r-8v). 
(Bl. 7r/Abb. 3): Die Bildaufteilung ist ähnlich wie in der Rnubfg-Illustration (Abb. 2), der Il¬ 
lustrator teilt das Bildfeld durch den Wald in fei Segmente. Von links reiten die Räuber mit der ohn¬ 
mächtigen Adelheid aus dem Wald. In der Bildmitte, die gekennAgichnet ist durch die Ausammenlaufen- 
den Bäume und Büsche, steht ein bärtiger Räuber im Ausfallschritt, stütAt seinen rechten Arm auf seinen 
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