Full text: Die Berliner Herpin-Handschrift in der Staatsbibliothek zu Berlin (Ms. Germ. Fol. 464)

führt nur Elisabeth und ihre Mutter Margarete an, die das Buch in französischer Sprache 
schreiben ließ, also in einer Abschrift für den Gebrauch des eigenen Hauses. 
Die zitierten Verfassernennungen der Schreiber und Druckredaktoren erfüllen zweierlei 
Aufgaben: Zum einen bewirkten sie sowohl eine Aufwertung und Autorisierung als auch 
eine Authentisierung des Textes durch die Anbindung an ein Adelsgeschlecht (ohne dass 
sie deswegen unwahr sein müssen). Zum anderen evozieren sie eine genealogische Rei¬ 
henfolge. Abgesehen von der Autorenzuschreibung bindet Elisabeth ihre Familie durch 
Orts- und Figurennamen,1’" besonders aber durch das Wappenprogramm1 in die Chan¬ 
sonhandlung mit ein. Eine einheitliche Verfasserschaft für die vier Prosaromane wies 
1920 Wolfgang Liepe in seiner Monographie über Elisabeth durch sprachstilistische Ar¬ 
gumente nach.1’ Die Autorschaft Elisabeths an den Übersetzungen wird in der For¬ 
schung problematisch gesehen, da nicht mit Sicherheit von einer Einzel- oder Gemein¬ 
schaftsleistung ausgegangen werden könne, wobei freilich die völlig andersartige, das In¬ 
dividuum nicht ins Zentrum stellende Auffassung der Zeit von Urheberschaft mit in 
Rechnung zu stellen wäre.138 Zudem erwähnten die Historiographen des nassauischen 
Hauses — Heinrich Dors,'y) Johann Georg Hagelgans14" und Johann Martin Kremer135 141 142 - 
sie nicht als Übersetzerin deutscher Chansons-de-geste-Adaptionen; ebenso nicht Fried¬ 
rich Köllner143, Adolph Köllner14’ und Karl Menzel144 146, was aber bei dem großen zeitlichen 
Abstand der Historiographen und ihrer völlig andersgearteten causa scribendi wenig be¬ 
sagt. Albert Ruppersberg14" gliederte als einer der Ersten 1899 Elisabeths Übersetzungstä¬ 
tigkeiten in die regionale Literaturgeschichte ein, nachdem bereits 1877 ein Artikel über 
sie in der ,Allgemeinen Deutschen Biographie414(1 erschienen war. Fest steht, dass die 
Adaptionen als zusammengehöriges Korpus am Saarbrücker Hof, also im Umkreis Elisa¬ 
beths, etwa zwischen 1437 (,Loher und Maller4) und 1455, entstanden sind, eventuell von 
ihr initiiert wurden und dass — schon nach Auffassung der Zeitgenossen — mindestens drei 
Generationen ihrer Familie am Überlieferungsprozess der Texte beteiligt waren. 
135 Liepe 1920, S. 16f. 
136 Müller 1989 und Haubrichs 1991. 
137 Urtel erkannte schon 1905 die Zusammengehörigkeit der Hamburg/Wolfenbütteler Handschriftengrup¬ 
pe (URTEL 1905, S. 3f.). 
138 Reinhard Hahn äußerte 1990 Zweifel an ihrer Autorenschaft (HAHN 1990, S. 76); K.H. Spieß äußert sich 
dazu 1998 so: „Vermutlich hat Elisabeth die Übertragung der Chansons-de-geste einem zweisprachigen 
Sekretär aus ihrer Umgebung übertragen und vielleicht die ein oder andere mündliche Hilfestellung ge¬ 
geben“ (SPIESS 1998, S. 97-100); H.W. Herrmann hingegen bestreitet zwar eine eigenständige Nieder¬ 
schrift der übersetzten Texte, aber spricht Elisabeth doch einen großen Anteil zu (HERRMANN 2002, 
S. 117-120 und Gaebel 2002, S. 25f.). 
139 DORS 1632, S. 188-191. 
140 Hagelgans 1753, S. 45. 
141 Kremer 1785. 
142 Köllner 1841. 
143 Köllner 1865. 
144 Menzel 1879. 
145 RUPPERSBERG 1899, Bd. 1, S. 207-210; und 21908, Nachdruck Saarbrücken 1979, S. 204—211. 
146 Bartsch 1877, S. 18f. 
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