Full text: Die Berliner Herpin-Handschrift in der Staatsbibliothek zu Berlin (Ms. Germ. Fol. 464)

Schreibungen in Ausstellungskatalogen'49 und Erwähnungen in Aufsätzen89 90 veröffentlichte 
nur Ignaz Beth 1908 eine Auflistung der 90 Federzeichnungen im Jahrbuch der Preußi¬ 
schen Kunstsammlungen, ohne sie näher zu beschreiben. Beth hob die Qualität der Illust¬ 
rationen klar hervor, indem er äußerte, dass in den Zeichnungen „sogar das 15. Jahrhun¬ 
dert schon in manchem überholt erscheint“.91 Aus der immer größeren Verbreitung des 
Kupferstichs im 15. Jahrhundert folgerte Beth, dass der Zeichner der Berliner Handschrift 
in dieser Technik unterrichtet war, allerdings Illustrationen für ein Publikum zeichnete, 
das noch die traditionelle Buchgestaltung vorzog. Auf Grund der gestalterischen Nähe 
zum Hausbuchmeister war ihm der Herpin-Meister ein „Rheinfranke [...], der etwa in 
Ulm seine Ausbildung genoss und sie am Mittelrhein verwertete.“92 Ernst Buchner glie¬ 
derte 1927 die Herpin-Illustrationen in das Werk des Meisters WB ein, ohne detailliert auf 
Stilvergleiche einzugehen.93 Auch er vermutete den Herkunftsort am Mittelrhein und so¬ 
mit den Meister WB als Illustrator.94 Dieser Meinung schloss sich auch Alan Shestack 
1971 in seiner Abhandlung über die Meister LZ und WB an.95 In der nachfolgenden Lite¬ 
ratur sprachen sich einige Kunsthistoriker für die Gleichsetzung des Herpin-Meisters mit 
dem Meister WB6 98 aus, der als Wolfgang Beurer im fränkischen Raum und am Mittelrhein 
in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts tätig war.9 Fedja Anzelewsky hingegen glieder¬ 
te 1985 die Illustrationen der Berliner Handschrift wieder aus dem Œuvre des Meisters 
WB aus" und Guido Messüng99 100 sieht Anton Beurer, den Bruder Wolfgangs, als Zeichner 
der Herpin-Miniaturen. Demnächst soll im ,Katalog der deutschsprachigen illustrierten 
Handschriften des Mittelalters’ ein Beitrag zur Berliner Handschrift von Ute von Bloh 
(Stoffgruppe 55, Kat.Nr. 55.0.1.) erscheinen. Mithin bleibt die Frage nach dem Zeichner 
der Illustrationen im Berliner Codex bisher immer noch ungeklärt.10" 
89 Ausst.Kat. Aderlass, Nr. 63, S. 135-137; Ausst.Kat. 100 Meisterzeichnungen new york, 
Nr. 63, S. 154; AUSST.KAT. ZlMELIE, Nr. 99, S. 145f.: Einband, Dialekt und die Schriftart deuteten auf 
den fränkischen Raum. Hier wird eine künstlerische Nähe zu Michael Wohlgemut in Nürnberg herge¬ 
stellt; AUSST.KAT. Buchkunst, Nr. 89, S. 190: Franken als Entstehungsregion der Handschrift festge- 
legt. 
90 So bei OTT 1995, S.104L; ANZELEWSKY 1985, S. 49-56; BÜCHNER 1927, S. 263-273 und STORCK 1910, 
S. 346. 
91 Beth 1908, S. 266. 
92 Beth 1908, S. 274. 
93 Büchner 1927, S. 263-269. 
94 Zur Identifizierung mit dem Meister WB gibt Bücher nur einige Vergleiche an: Motiwergleiche in Ge¬ 
mälden und Zeichnungen sowie zeichentechnische Vergleiche. 
95 Shestack 1971. 
96 Zunächst STRAUSS 1985: Als Beweis für die Gleichsetzung der beiden Künstler gibt er lediglich deren 
Initialen an; vgl. hierzu HUTCHISON 1985, S. 195. 
97 Büchner 1927. 
98 Anzelewsky 1985. 
99 Mus.Kat. Zeichnen vor Dürer, Kat.Nr. 59-62, S. 169-178. 
100 Vgl. dazu Kapitel 7, S. 129-157. 
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