Full text: Die Berliner Herpin-Handschrift in der Staatsbibliothek zu Berlin (Ms. Germ. Fol. 464)

(Bl. 209'/Abb. 85): Unks erscheint wieder die Waldlichtung in Variation, auf der der Säugling 
unter dem Olivenbaum liegt. Im Hintergrund grasen zwei Kühe, eine dritte ist rechts angeschnitten gezeigt. 
Unter dem Olivenbaum liegt das Wickelkind und blickt dem Hirten mit seinem Hirtenstock entgegen, 
der seine Arme nach ihm aus streckt. 
Rechts legt der Hirte seiner Gemahlin den Säugling in die Arme. Diese steht — vom Bildrand ange¬ 
schnitten — vor einer mit Stroh gedeckten Holzhütte. Im Hintergrund ist ein kleiner Holzschuppen zu se¬ 
hen, an dessen Seiten ein Weidenzaun den Platz um ^as Haus begrenz}. 
Der Herzog von Kalabrien reitet zur Stadt Bonefant, in der der sizilianische König und 
seine Tochter Florentine weilen, und belagert sie. Er schickt vier Boten zu den Bürgern, 
aber die Bürger hängen diese als Warnung für den Herzog an die Zinnen ihrer Stadtmauer 
(Bl. 21 lr + v). 
(Bl. 210'/Abb. 86): Die Wehrmauer verläuft in leicht geschwungener Pinie von links nach rechts 
und ist durch runde Wehrtürme mit flachem Kegeldach rhythmisiert. Dahinter sind die Dächer einiger 
Häuser, die im Hintergrund lediglich schemenhaft wiedergegeben sind, zu erkennen. An den Zinnen der 
Mauer hängen die vier Boten des Herzogs. Die Hände wurden ihnen auf dem Rücken gefesselt, die Köpfe 
sind durch das Erhängen auf die Brust gefallen und die Beine hängen schlaff am Körper. Vor der Mauer 
patrouillieren kalabresische Rätter zwischen den Zelten; der Wächter links hinter dem ersten Zelt hält das 
wehende Banner des Herzogs, auf dem ein heraldischer Pöwe abgebildet ist. Daneben analysieren der 
Herzog und der Fürst von Tarant, beide in Räickenansicht, die Situation. 
Am folgenden Tag wappnen sich die Kalabresen und stürmen die Stadt Bonefant. Die 
Bürger wehren sich mit Steinen und Ätzkalk so vehement, dass die Stadt nicht einge¬ 
nommen werden kann (Bl. 213r +'). 
(Bl. 213r/Abb. 87): Oberhalb der geschlossenen Zugbrücke werfen Bürger aus einer Schießscharte 
und aus dem Rundturm rechts Steine und ÄtzkalV1 auf die Angreifer. Den Kalk stellte der Zeichner 
mit dünnen Federstrichen dar. Rechts aussen auf der Wehrmauer steht ein Schütze und zielt auf ein Ob¬ 
jekt außerhalb des Bildbereiches; über ihm sind ZRJei Stadtgebäude angedeutet. Im Vordergrund rüsten 
sich die Kalabresen: Rechts in der vorderen Ecke stehen zwei Rätter hinter vorgehaltenen Setzjartschen 28 
und rücken auf die Mauer zu. Einer liegt bereits erschlagen am Boden. Eine weitere Angreifergruppe 
wird von den Bürgern auf einer breiten Holzleiter mit Steinen attackiert. Die obersten stürzen, getroffen 
von schweren Steinen, in den Graben. Die nachrückenden Rätter wehren mit ihren Handschilden die her¬ 
ab geworfenen Steine ab. 
Der König von Sizilien zieht gegen den Herzog in den Krieg. Seine Tochter gibt er in 
die Obhut Balduins. Anschließend überrennen Streitrösser im Kampfgeschehen den Kö¬ 
nig (Bl. 215-217'). 
(Bl. 214r/Abb. 88): Die hügelige Eandschaft auf dem ersten Bildstreifen ist in der Mitte durch einen 
Bach getrennt, dessen Fließgeschwindigkeit der Illustrator durch haarfeine Federstriche verdeutlichte, die 
an einigen Stellen im Bach zu Wirbeln zusammen gezogen sind. Auf der linken Uferseite bereitet sich das 
sondern arme Hirtenleute, hierzu vgl. THOMAS 1971, S. 128. 
427 „Die purger werttn sich mit staynen vnnd mit kalk [...]“ (Berlin, Ms. germ. fol. 464, Bl. 213v). 
428 Boeheim 1966, S. 180f, mit Abb. 192; AUSST.KAT. Ritterwelten, Kat.-Nr. 30 a-d, S. 239-243. 
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