Full text: Arbeiterexistenzen und Arbeiterbewegung in den Hüttenstädten Neunkirchen, Saar und Düdelingen, Luxemburg

Abbildung 5: Die Saarbrücker Straße in Neunkirchen (1932).292 
Außer in der Saarbrücker Straße bildeten sich weitere Zonen konzentrierter Arbei¬ 
terbesiedlung heraus. So entstanden Arbeiterwohnungen am westlichen Hüttenberg, 
im Stadtteil Schlawerie292 293, im Bezirk ,Ruhstock‘, am östlichen Oberen Markt und auf" 
der Oberschmelz.294 Das Werk Oberschmelz wurde bereits 1876 stillgelegt, 1930 standen 
hier aber immerhin noch neun werkseigene Wohnhäuser.295 In unmittelbarer Nahe zum 
292 Die Fotografie aus dem Jahr 1932 zeigt die Saarbrücker Straße mit zwei Reihen relativ gleichmäßig 
gebauter Arbeiterhäuser. Hier konzentrierte sich die Hüttenarbeiterpopulation. Im Hintergrund ist 
der Gasometer zu sehen, der am 10. Februar 1933 explodierte. Die Explosion kostete 65 Menschenleben, 
außerdem wurden noch mehr Personen schwer verletzt. 170 Wohnungen wurden zerstört, entspre¬ 
chend viele Menschen waren vorübergehend obdachlos. Die Nähe des Gasometers lässt erahnen, dass 
sich die Saarbrücker Straße mehr oder weniger direkt auf dem Werksgelände befand. Diese physische 
Nähe zum Arbeitsplatz spricht für ein hohes Maß an sozialer Kontrolle durch die Hüttenoberen, unter 
der sich die Bewohner der Werkswohnungen in der Saarbrücker Straße befanden. Abbildung entnom¬ 
men aus Gillenberg/Birtel/Meiser 1986, S. 40. Zur Gasometerexplosion vgl. Blasius, Stefan: 
Schreckenstage der Stadt Neunkirchen. Die Gasometer-Explosion auf dem Neunkircher Eisenwerk am 
10. Februar 1933. Gesammelte Bildberichte nach den Aufzeichnungen der „Neunkirchener Zeitung“. 
Berichte von Zeitzeugen. Die Ursache der Katastrophe. Fotos vom heutigen Hüttengelände, Dudweiler 
2003; Loch, Bernd: Die Gasometerexplosion 1933, in: Knauf, Rainer/TREPESCH, Christof (Hrsgg.): 
Neunkircher Stadtbuch, Neunkirchen 2005, S. 281-292. 
293 Lokalhistoriker und Heimatforscher vermuten, die Siedlung verdanke ihren Namen dem Umstand, 
dass hier während der Frühen Neuzeit Einwanderer aus dem slawischen oder wallonischen Raum leb¬ 
ten. Hier gab es schon in dieser Epoche eine frühe Arbeitersiedlung, wo Beschäftigte der lokalen Ei¬ 
senschmelze wohnten. Vgl. Gillenberg, Heinz: Frühe Arbeiterwohnungen in Neunkirchen, Neun¬ 
kirchen 2000. 
294 Vgl Früh auf 2005, S. 112 ff. 
295 Vgl. Schlicker 2009, S. 359. 
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