Volltext: Arbeiterexistenzen und Arbeiterbewegung in den Hüttenstädten Neunkirchen, Saar und Düdelingen, Luxemburg

Zeit, besonders in der heißen Phase des Saarabstimmungskampfes 1934/35, mit großer 
Vehemenz. Abgesehen von den gelegentlich vorkommenden physischen Auseinander¬ 
setzungen wurde die Stadt Schauplatz intensiver propagandistischer Kämpfe zwischen 
Links und Rechts, und bereits vor dem Aufkommen des Nationalsozialismus vergiftete 
die Spaltung der Arbeiterbewegung die geistig-politische Atmosphäre. In Düdelingen 
blieb das politische Klima größtenteils mild, was nicht zuletzt für den eindämmenden 
Erfolg der betrieblichen Arbeiterpolitik sowie die im Vergleich zum Saargebiet weniger 
spannungsvolle politisch-gesellschaftliche Rahmensituation spricht.15 Wie die in einem 
gesonderten Unterkapitel geschilderte Märzbewegung von 1921 allerdings offenbarte, 
waren auch die Düdelinger Hüttenarbeiter bisweilen gewillt und in der Lage, Protest 
offensiv zu artikulieren. 
In seiner umfangreichen und theoretisch hoch anspruchsvollen Monographie über 
die „Arbeits- und industriellen Beziehungen in der deutschen und amerikanischen Ei¬ 
sen- und Stahlindustrie“ kritisiert Thomas Welskopp den Umgang der bisherigen For¬ 
schung mit dem Quellenmaterial und die daraus resultierende Folgerungspraxis: 
„Den weitreichenden Folgerungen liegt jedoch in der Regel eine nur punktuelle, wenig sys¬ 
tematische und in keinem Fall gleichgewichtige Rekonstruktion der Verhältnisse im betrieb¬ 
lichen Handlungsfeld der Hüttenwerke zugrunde. Nicht selten wurden bisher dabei aus der 
ambivalenten, z. L widersprüchlichen und sicherlich nicht leicht zugänglichen zeitgenössi¬ 
schen Überlieferung wie aus einem historischen Steinbruch passende Belege für abstrakte 
Konzepte isoliert, ohne den komplexen sozialen Strukturen und Prozessen in dieser Branche 
wirklich nachzugehen. '2 
Welskopps Forderung läuft auf eine größere Systematik der Quellenauswertung und 
damit auf eine fundiertere empirische Erdung theoretischer oder abstrakter Konzep¬ 
te hinaus. Dieses selbstverständlich hochberechtige Postulat wird allerdings durch die 
zum Teil disparate, zum Teil sperrige Quellensituation vor kaum zu lösende Probleme 
gestellt, die sich auch im Verlauf der vorliegenden Studie in verschiedenen Bereichen 
immer wieder offenbarten. Leider waren die Verhältnisse auf der Basis des überliefer¬ 
ten und zugänglichen Quellenmaterials kaum systematisch, wie Welskopp es fordert, 
sondern zumeist nur punktuell zu rekonstruieren, denn es taten sich immer wieder be¬ 
trächtliche Lücken in der Überlieferung auf. Wichtige Dokumente waren oftmals nur 
für vereinzelte Teilbetriebe und Zeitabschnitte vorhanden, etwa ein Strafkatalog aus 
dem Neunkircher Walzwerk von 1923 oder aber ein recht umfangreicher Schriftwechsel 
11 Demgegenüber könnte allerdings eingewandt waren, dass sich die luxemburgischen Städte Esch und 
Differdingen in der dort herrschenden Atmosphäre bisweilen eher Neunkirchen annäherten als Düde¬ 
lingen. 
12 Welskopp 1994, S. 39 f. 
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