Full text: Arbeiterexistenzen und Arbeiterbewegung in den Hüttenstädten Neunkirchen, Saar und Düdelingen, Luxemburg

Im Bereich der Disziplinierung konnten die Unternehmer mit der Unterstützung 
durch die Behörden rechnen. Die Düdelinger Gendarmerie war ständiger Beobachter 
der örtlichen Arbeiterversammlungen81^ und stand darüber - so ist zu vermuten - in 
engem Austausch mit der Werksleitung, die ökonomisch, sozial und politisch ein kom¬ 
munaler Machtfaktor aller ersten Ranges darstellte. Mit dem berüchtigten Artikel 310 
des luxemburgischen Strafgesetzbuches, der unter anderem das Versammlungsrecht 
stark einschränkte, Streiks ächtete und bis weit in die Dreißigerjahre zur Anwendung 
kam, verfügten Patronat und staatliche Behörden über ein schlagkräftiges Instrument.816 
Dass ein Mann wie Stumm, der als Politiker, Arbeitgeber und Steuerzahler Neunkir¬ 
chen wie keine andere Person dominierte, Einfluss auf die lokalen Behörden hatte und 
bei der Bekämpfung ihm ungelegener Strömungen auf deren Wohlwollen und Hilfe 
zählen konnte, bedarf kaum der Erläuterung. Die Disziplinierung der Arbeiterschaft 
machte nicht an den Werkstoren halt und war ein universaler Anspruch der Betriebs¬ 
führung. Sie geschah allerdings ebensowenig wie die innerbetriebliche Disziplinierung 
zum Selbstzweck, sondern in der Regel mit Blick auf den Produktionsbereich. So wurde, 
etwa durch das Verbot eigenständiger Prozessführung gegen Kollegen, die Harmonie 
zwischen Werksangehörigen gleichsam erzwungen mit der Absicht, eine funktionstüch¬ 
tige und produktive Belegschaft zu gewährleisten. 
!'h Auch dazu folgen in Teil C noch einige Ausführungen. 
*16 In dem Artikel hieß es: „Sera puni dün emprisonnement de huit jours à trois mois et d’une amende 
de vingt-six francs à mille francs, ou d’une de ces peines seulement, toute personne qui, dans le but de 
forcer la hausse ou la baisse des salaires, ou de porter atteinte au libre exercice de l’industrie ou du travail, 
aura commis des violences, proféré des injures ou des menaces, prononcé des amendes, des défenses, des 
interdictions ou toute proscription quelconque, soit contre ceux qui travaillent, soit contre ceux qui 
font travailler. Il en sera de même de tous ceux qui, par des rassemblements près des établissements où 
s’exerce le travail ou près de la demeure de ceux qui le dirigent, auront porté atteinte à la liberté des maî¬ 
tres et des ouvriers“ Zitiert nach Lentz 1992, S. 188. Es erschließt sich recht eindeutig, dass sich diese 
Bestimmungen ohne Weiteres gegen die Gewerkschaften anwenden ließen. In der Tat wurden dann 
auch viele Aktivisten beispielsweise im Zuge von Ausständen auf der Basis dieses Artikels verurteilt. 
Vgl. auch Stoffels, Jules: Le syndicalisme au Luxembourg et en Europe, Luxembourg 1972, S. 70 ff. 
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