Full text: Arbeiterexistenzen und Arbeiterbewegung in den Hüttenstädten Neunkirchen, Saar und Düdelingen, Luxemburg (46)

fährt man aus den Stummschen Zirkularen nichts, überhaupt liegen aggregierte Zahlen 
nur für die Zwischenkriegszeit vor. 
Über die Unfallraten informieren die „Berichte zu den Wohlfahrtseinrichtungen 
bis 1933“,121 die jeweils die Zahl der Unfälle unter 1.000 Arbeitern, die von diesen Un¬ 
fällen verursachten Krankheitstage sowie die Zahl der tödlichen Unfälle angeben. 
Demnach lag der Ausgangswert 1920 bei 38,3 Unfällen je 1.000 Arbeitern. 1921 waren 
es dann schon 40,3 Unfälle, ein Jahr später bereits 45,4. Nach einem Rückgang 1923 
(36,3 Unfälle) waren es 1924 32,1923 gar 58 Unfälle und 1926 einer weniger. 1927 war die 
Sechzigermarke überschritten mit 61, ehe in den Folgejahren gar die Achtzigermarke er¬ 
reicht und übertroffen wurde. Die Höchstmarke im dokumentierten Zeitraum wurde 
im letzten Jahr (1932) erreicht mit nicht weniger als 106 Unfällen (!) unter 1.000 Arbei¬ 
tern.122 Das heißt also, in diesem Jahr waren hochgerechnet 10,6 Prozent aller Arbeiter 
von einem Unfall betroffen. Über die Gründe des beachtlichen Anstiegs schweigt die 
Quelle zwar, doch erscheint es durchaus plausibel, die wachsende Zahl mit den Rati¬ 
onalisierungsbemühungen in den 1920er Jahren in Verbindung zu bringen. Rationa¬ 
lisierung brachte eine Intensivierung der Arbeit mit sich, die sich nicht selten negativ 
auf die Arbeitssicherheit auswirkte.123 Außerdem dürfte sich im Verlauf der Jahre das 
Unfallmeldewesen verbessert haben, das heißt, die Vorfälle wurden besser und konse¬ 
quenter dokumentiert. 
Über die Schwere der Unfälle erfährt man lediglich indirekt etwas, wird doch die 
Zahl der unfallbedingten Krankheitstage in oben erörtertem Bericht festgehalten. 
Die Zahl der Krankheitstage entwickelte sich - um nur drei Eckdaten zu nennen - 
von 1.186,6 unfallbedingten Krankheitstagen unter 1.000 Arbeitern im Jahre 1920 
über 1.514 im Jahr 1926 bis hin zu 2.891 im letzten Berichtsjahr 1932. Das heißt also, im 
Jahr 1920 kamen auf 38,3 Unfälle 1.186,6 Krankheitstage, mithin rund 31 Krankheits- 
tage pro Unfall. 1926 zog ein Unfall entsprechend durchschnittlich 26,6 Fehltage nach 
sich, 1932 waren es 27,3. Der Ausgangswert lag also etwas höher, was eventuell darauf 
hindeutet, dass die Schwere der Unfälle leicht nachließ. Keine großen Schwankungen 
erlitt die Zahl der Unfälle mit tödlichem Ausgang. Mit Ausnahme des Höchstwertes 
von sieben Todesfällen (1930) bewegte sich die Zahl zwischen einem und vier Todes¬ 
fällen jährlich.124 Anhand der Todesraten lässt sich kein klares Bild darüber gewinnen, 
ob die Arbeit tendenziell gefährlicher geworden ist oder nicht; freilich ist für 1930 
festzuhalten, dass immerhin ungefähr jeden zweiten Monat ein Arbeiter im Werk den 
Tod fand. 
1:1 Diese Berichte sind nach Geschäftsjahren geordnet. Insgesamt liegen elf solcher Einzelhefte vor, die 
allerdings in einer großen Mappe und unter einer Signatur zusammengefasst sind. 
122 Alle Angaben nach: StA Nk, Dep. Saarstahl AG, 119-1-6-1922.-40. 
1:3 Vgl. dazu Vetterli 1978, S. 71 £ 
124 Alle Angaben nach: StA Nk, Dep. Saarstahl AG, 119-1-6-1922-40. 
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