Full text: Arbeiterexistenzen und Arbeiterbewegung in den Hüttenstädten Neunkirchen, Saar und Düdelingen, Luxemburg

Einleitung 
a) Thema 
Die frühen 1980er Jahre hatten für die Städte Neunkirchen im heutigen Saarland und 
Düdelingen1 im Südwesten des Großherzogtums Luxemburg einschneidenden Cha¬ 
rakter. Heinz Gillenberg, ein exponierter Chronist der Stadt Neunkirchen,2 3 fasst die 
Bedeutung der letzten Julitage 198z wie folgt zusammen: „Die Hütte hatte aus dem klei¬ 
nen Dorf Neunkirchen die ,Stadt der Kohle und des Stahls“, aber auch das ,Rußloch“ 
gemacht. Mit dem 31. Juli 198z, dem Tag der Außerbetriebnahme der Kokerei, waren 
beide Attribute nicht mehr zutreffend.“? In Neunkirchen hatte das „Ende der Eisenzeit“ 
(Gillenberg) begonnen. Ganz ähnlich nahmen sich die Zeilen aus, die im Jahre 1991 der 
damalige Bürgermeister der rund 100 Kilometer entfernten Stadt Düdelingen im Vor¬ 
wort einer opulenten Chronik des örtlichen Hüttenwerks verfasste. Rückblickend auf 
das Jahr 1984, als die Produktion weitgehend eingestellt worden war, schrieb er: 
„l'installation de l infrastructure d une industrie lourde procurait un emploi assuré à des mil¬ 
liers d habitants. Mais tous ceux qui croyaient à un éternel âge d’or devaient déchanter, car la 
situation se dégradait jusquau brutal et tracassant coup déclat de la lermeture de l’usine, du 
moins de sa partie,chaude“ essentielle en 1984. dont l’écho devait retentir encore longtemps à 
travers tout le pays.“4 
Die Hüttenindustrie hatte beiden Städten über mehr als ein Jahrhundert hinweg ihr 
wesentliches Gepräge verliehen, ihr Ende glich beiderorts einer epochalen Zäsur. Die 
Bedeutung der lokalen Eisen- und Stahlbetriebe beschränkte sich dabei keineswegs auf 
ihre herausragende ökonomische Potenz: Die Werke mit ihren umfangreichen Produk¬ 
tionsanlagen, ihren Hochöfen und Schloten prägten das gesamte Stadtbild; die Hütten¬ 
unternehmer wiederum vereinigten beträchtliche ökonomische, soziale und politische 
Macht.5 
1 Entsprechend der luxemburgischen Mehrsprachigkeit sind zumeist drei Ortsbezeichnungen ge¬ 
bräuchlich. Hier wären auch die luxemburgischen Ortsnamen ,Diddeleng‘ oder ,Dideleng‘ sowie die 
französische Bezeichnung ,Dudelange‘ möglich. In der vorliegenden Arbeit wurde konsequent die 
deutsche Bezeichnung gewählt. 
2 Zu Heinz Gillenberg vgl. Britz, Hans-Joseph: Neunkircher Geschichtsforscher, in: Knauf, Rainer/ 
Trepesch, Christof (Hrsgg.): Neunkircher Stadtbuch, Neunkirchen zoos, S. 7Z7-730, hier S. 717. 
3 Gillenberg, Heinz: Neunkirchen - Vom Meyerhof zur Stadtkern-Erweiterung, Neunkirchen 
1989, S. 61. Hervorhebungen im Original. 
4 Conrardy, Jean-Pierre: Dudelange. Passé et présent d’une ville industrielle. Tome II: L’usine sidé¬ 
rurgique. Le renouveau industriel et urbain, Luxembourg 1991, Préface. Hervorhebung im Original. 
Zwei Unternehmerpersönlichkeiten ragten besonders hervor. Für Neunkirchen war dies der 1888 
nobilitierte Karl-Ferdinand Stumm, der als Reichstagsabgeordneter für die Freikonservative Partei zu¬ 
gleich beträchtlichen politischen Einfluss ausübte. Unter den zahlreichen Beiträgen und Monographi¬ 
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