Full text: Die Prinzessin von Ahlden und Graf Königsmark in der erzählenden Dichtung

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HIfo — der bewährte gefälschte Brief. Der angeblichen Einladung 
der Herzogin zum Rendezvous im Lustgehölze folgt eine Rntwort, die, 
an sich harmlos, durch die Brille der Eifersucht gelesen, den Schreiber 
schuldig erscheinen läßt, „als ob er der hertzogin schon einen Liebes- 
Rntrag gethan". Km andern Tage verschwindet Cremarsig. 
Der 3. Teil löst das Rätsel. Tr ist am umfangreichsten ausge¬ 
fallen, weil der findige Geschäftsmann auf die sich naturgemäß auf das 
mysteriöse Ende Ronigsmarks konzentrierende Neugier rechnete. Menantes 
konnte seinem Publikum alles Mögliche vormachen, das Abenteuerlichste 
ward ja allenthalben hierüber erzählt und geglaubt.^) Über die naiven 
Gemüter, die die groteske Mischung von Scherz und Ernst für bare 
Münze nehmen, scheint er sich übrigens im stillen lustig zu machen. — 
Rls der getäuschte Liebhaber sich zur bestimmten Stunde am be¬ 
stimmten Platze einfindet, wird er von Adina und „4 starken Rerls" 
aufgehoben und nach dem Schlosse Belviedro in Welschland gebracht. 
Dort nimmt das geile R)eib eine — man muß zugeben — teuflische 
Rache an ihm. Mit Hilfe der „verfluchten Zauberkunst", die sie eigens 
zu dem Zwecke erlernt, bringt sie ihm einen Trank bei und freut sich 
der aphrodisiastischen Wirkung. „Zuvor", klagt das arme Gpfer, „ver¬ 
siegelte ich den Vorsatz in mir durch einen theuren Schwur / eher den 
Tod und die grausamsten Martern auszustehen / als mich Adinen zu 
ergeben. Itzo aber anckerte ich recht / sie zu sehen / und eine mit un¬ 
beschreiblicher Unruh umpfangene Ungedult würde mich ohnfehlbar nach 
ihrem eigenen Zimmer gerissen haben / wo die Thür nicht von aussen 
fest verschlossen gewesen." Die schönsten Tantalusqualen muß er leiden, 
die heiß begehrte Persönlichkeit tritt ihm recht oft vor Rügen, weist 
aber seine Rttacken mit Scheltworten und Fußtritten zurück. Ruch der 
Henker vor der Tür ruft nichts, als die hündischsten Gunstwinseleien des 
Vieldulders hervor, der „vor innerlicher Hertzens-Rngst / die ihm der 
verdammte Tranck verursachet / nicht zu bleiben" weiß und unter 
Halluzinationen zu leiden hat, die ihm vorimene vorspiegeln. — 
In den Liebesepisteln an Rdina parodiert der Rutor, der auch an 
andern Stellen häufig satirische Randglossen über die Frauen, die katho¬ 
lische Ronfession, die Titelsucht u. a. einschaltet, nicht übel die alamode 
Perückenlyrik und den galanten Briefstil. — 
Endlich läßt es die Grausame des Spiels genug sein und reicht 
dem Liebestollen den Entzauberungssaft, nicht ohne sich vorher durch 
einen Ehekontrakt Garantien für den Bestand seiner Gefühle zu ver-
	        

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