Full text: Vorlesungen über praktische Philosophie

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Kap. II. § 26. 
erst unverbrüchlichen Ganzheit dasselbe ist. Das ist nicht 
mehr Monas, sondern Monas Monadum, die (absolute, selbst 
gar keines Plurals fähige) Einheit der (nur relativen, pluralen) 
Einheiten. Diese könnte als absolute leicht aus der Relation 
ganz herauszufallen scheinen. In der Tat ist sie durch diese 
nicht schon dargestellt oder je darstellbar, sondern nur erst 
gefordert. Aber die Relation zielt allerdings auf sie hin. Be¬ 
ziehung, Bezüglichkeit besagt selbst Einheit; in der Totalität 
allseitiger dynamischer Wechselbeziehung aber erfüllt sich 
erst der reine, uneingeschränkte Sinn der Einheit der Be¬ 
ziehung selbst. Alle nur bedingte, eingeschränkte Bezüglich¬ 
keit sucht doch und fordert die unbedingte, uneingeschränkte, 
oder zielt auf sie hin; sie besteht überhaupt nur von deren 
Gnaden, nicht umgekehrt diese von ihren Gnaden. Fast stets 
hat man diesen gründlichen Unterschied der Wechselrelation 
von der einseitigen Relation übersehen; man hat oft versucht, 
die erstere als bloße Verdoppelung der letzteren, als bloße 
gleichzeitige Beziehung hin und wieder zu deuten. Ich glaube 
nicht, daß dies dem Sinne Kants entspricht; ganz gewiß ent¬ 
spricht es nicht dem Sinne des Leibnizischen Commercium. 
Argwöhnt man aber in dieser unbedingten Beziehungseinheit 
etwas Mystisches, so darf man sich dagegen auf den ganz 
nüchternen wissenschaftlichen Begriff der Gesamtenergie des 
dynamischen Systems berufen, welche durchaus nicht als 
Summierung von Einzelrelationen, sondern als die zugrunde 
liegende Einheit des Gesamtstromes der die Natur durch¬ 
waltenden Dynamik verstanden sein will, von der nur Ab¬ 
leitungen die von Punkt zu Punkt gehenden Einzelrelationen 
darstellen. Durchaus betrachtet die Wissenschaft, nicht aus 
irgendwelcher Willkür der Hypothese oder bloß zur Be¬ 
friedigung eines intellektuellen Bedürfnisses, den Gesamtzu¬ 
sammenhang des Wirkens als das Erste, zuletzt Bestimmende, 
die Einzelwirkungen von Punkt zu Punkt als bloße Heraus¬ 
sonderungen. Der Austausch der Energien wird nicht an-
	        
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