Full text: Vorlesungen über praktische Philosophie

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Kap. I. § 11. 
lieh dicht sein; aber die Bestimmung geht eben ins Unend¬ 
liche weiter, und diese immer weitergehende Bestimmung, 
die allein der Notwendigkeit erreichbar ist, führt nie zu ab¬ 
schließender Bestimmtheit. Doch muß das letzte Wirk¬ 
liche an sich ganz und gar, total bestimmt sein; Wirklich¬ 
keit besagt nichts anderes als totale Bestimmtheit. Geht 
also die Bestimmung unter der Kategorie der Notwendigkeit 
ins abschlußlos Unendliche fort, so ist damit gesagt, daß 
sie Wirklichkeit nicht erreicht und nie erreichen kann, daß 
sie auf ihrem Wege überhaupt nicht hegt, sondern als schlecht¬ 
hin überendhehes, gleichsam in einer anderen Dimension ge¬ 
legenes Ziel, als „unendlich-ferner Punkt“, ihren Weg be¬ 
stimmt. 
§ 11. Dies also sind die ursprünglichen drei Phasen des 
Seins. Sie sind alle untereinander, jede mit den zwei an¬ 
deren so unlöslich verflochten, daß keine ohne die anderen 
sein oder gedacht werden kann, jede ihren Sinn und ihre 
Bedeutung nur hat im Hinbhck auf die anderen, indem sie 
sich mit ihnen gleichsam erfüllt. Sie sind in ihrer Dreiein¬ 
heit nicht nur die obersten der Kategorien, sondern durch¬ 
aus bestimmend für alle weiteren. Sie enthalten in ihrer 
untrennbaren Wechselbezüglichkeit die Grunddisposition 
für alle kategorialen Ordnungen ohne Unterschied, also das 
Grundgesetz für den Aufbau des ganzen unendlich offenen 
Systems der Kategorien, für welche alle daher das gleiche 
gilt, nämlich diese untrennbare Wechselbezüglichkeit. In 
diesen drei Urkategorien zusammen, in ihrer Dreieinigkeit, 
und dann in der endlos weitergehenden, durch sie geforderten 
und in ihnen von Haus aus angelegten Entwicklung ent¬ 
falten sie nichts anderes als den Ursinn des ,,Es gibt“; den 
Sinn des Es, welches alles gibt, des Alles, was es gibt, und 
des Gebens selbst, welches zuletzt Sich-geben ist („si da“, 
„es gibt sich“, heißt es im Italienischen). Es ist das Sich- 
selbst-Geben, Sich-selbst-Hineinbegeben des Wirklichen in
	        

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