Full text: Vorlesungen über praktische Philosophie

Theoretik 
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System jedenfalls der Grundkategorien erforderlich, um Wahr¬ 
nehmung als Wahrnehmung, d. h. nicht bloß Gegebenheit 
überhaupt, sondern Gegebenheit in der Existenz, zu begrün¬ 
den. Sie ist also nichts weniger als bloß sinnlich, obgleich sie 
immer den sinnlichen Charakter voll bewahrt. „Sinnlich“ 
und „intellektuell“ sind für uns überhaupt nicht Gegensätze. 
„Nichts ist im Verstände, was nicht erst im Sinnlichen ge¬ 
wesen wäre“, lautet die alte Grundformel des Sensualismus. 
Dies „erst“ und „hernach“ machen wir nicht mit. Aber wohl 
würden wir sagen: nichts ist im Verstände, was nicht eben¬ 
sowohl im Sinnlichen, aber auch nichts ist im Sinnlichen 
(wenn wenigstens das „ist“ Existentialsinn haben soll), was 
nicht ebensowohl auch intellektual, d. h. kategorial, sich 
darstellen müßte. Das heißt, es gibt keine „Materie“ anders 
als das zu Formende und, sofern sie existential gegeben sein 
soll, notwendig auch Geformte; so wie keine Form anders als 
in der zu vollziehenden und, sofern existential gegeben, auch 
tatsächlich vollzogenen Formung einer Materie. Materie 
und Form sind also zueinander streng korrelativ, logisch 
simultan, ohne Vorher und Nachher. Aber „Wahrnehmung“ 
bezeichnet an dem Aristotelischen avvolov („das Ganze zu¬ 
sammen“, nämlich eben Materie in Form, Form in Materie, 
das „Concretum“, pflegt übersetzt zu werden) eben die Seite 
der Materie und insofern des Sinnlichen, die kategoriale 
Prägung dagegen die Seite der Form, d. h. des Intellektuellen. 
Wir würden am liebsten „Wahrnehmung“ einfach verstehen 
als eben dies: die voll konkrete Vereinigung von Materie und 
Form, das Sinnliche in seiner intellektuellen, d. i. kategorialen 
Formung. Ist also die Empfindung punktuell, und zwar mit 
der Geltung des Nullpunktes in Hinsicht der kategorialen 
Formung sowohl wie der materialen Sinngebung; Anschau¬ 
ung dagegen linear, von der einen (eben der formalen) Seite 
gesehen also formend, konstruktiv (was bei Kant in der „pro¬ 
duktiven Einbildungskraft“ oder „Synthesis der Repro¬
	        

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