Full text: Vorlesungen über praktische Philosophie

Allgemei n -systematische Grundlegu ng. 
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allerdings nicht in jeder Hinsicht zutrifft und also nicht zu 
sehr gepreßt werden darf. Das Transfinite der Mathematik 
steht nicht außer aller, sondern nur jeweils außer bestimm¬ 
ter endlicher Relation und Vergleichung. Daher gibt es der 
Transfiniten in der Mathematik mehrere, ja unendlich viele. 
Aber darin trifft doch die Analogie zu: das, wovon wir jetzt 
reden, ist nicht bloß Nicht-Enden von etwas, das enden 
könnte, nicht bloß Endlosigkeit des Fortgangs, sondern 
Hinaussein über das Enden-können überhaupt; dort aber, 
in der Mathematik, nur unter bestimmter Fragestellung, 
hier ohne solche Einschränkung, schlechthin. 
Das letzte Überendliche ist dann offenbar kein anderes 
als jenes, welches wir schon benannt haben als das Allüber¬ 
steigende, Transzendente, das platonische ènéxeiva. Es er¬ 
weist sich hier als nicht bloß absoluten Anfang (Ursprung, 
àQxrj), sondern ebensowohl absolutes Ende oder Ziel (xèlog), 
unter welchem Ziel also nicht ein Ende im Sinne eines Haiti 
zu verstehen ist, ein Punkt, wo alles aufhört, abreißt, über 
den hinaus es ein Ferneres nicht gibt aber geben könnte, we¬ 
nigstens gedacht werden dürfte, vielleicht müßte; über den 
hinaus es also wie ein Diesseits auch ein Jenseits gäbe; son¬ 
dern es ist selbst das Letzte, allem Jenseitige, über alles Hin¬ 
ausgehende, Hyperbolische (Überbietende), Eminente (Hin¬ 
ausragende); es ist die Allheit, die kein Jenseits mehr hat. 
Darin kommt nicht das in der zweiten Phase ins Unendliche 
Auseinandergetretene, Differenzierte nur wieder zurück zu 
der Ureinheit, aus der es herausgetreten war, so daß in ihm 
der Kreis sich schlösse, das Ende wieder zum neuen Anfang 
würde; das wäre, allenfalls in höherer, vielleicht dann wieder 
ins Unendliche wachsender Potenz, immer noch die zweite 
Phase: das Nimmer-Enden des Immer-Endens; sondern es 
ist zwischen der ersten und dritten Phase, während beide 
gleich sehr der zweiten entgegengesetzt sind, der bestimmte 
Unterschied, welcher als der des Vor endlichen und des Über¬
	        

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