Full text: Vorlesungen über praktische Philosophie

14 
Kap. I. § 8. 
findet, ergibt sich ein Schrittgang von Ende zu Ende selbst 
ohne Ende; eine ,.Entwicklung“ in der Tat wie in einer 
Spirale, die sich immer von Ende zu Ende, von Ziel zu Ziel, 
so daß jedes Ende oder Ziel zum neuen Anfang oder Anhub 
wird, und so ins Unendliche, in beständiger Selbst-Erweite¬ 
rung fortwindet. ,,Unsterblichkeit des Sterblichen“ nennt es 
Plato und setzt diese als Mittleres zwischen das reine Nicht¬ 
sein, in dem, als dem Nullpunkt des Seins, als dem Urgründe, 
von dem es sich immer neu erhebt, doch positiv die grenzen¬ 
lose Seinsmöglichkeit gedacht sein muß, und dem reinen, 
d. h. alles Nicht ausstoßenden Sein, dem Sein der Schöpfung, 
die eben Heraufführung aus jenem Nichtsein (dem seienden 
Nichtsein des Möglichen) ins volle Sein der Wirklichkeit 
besagt. 
§ 8. 3. Und so ist denn dies die notwendig dritte Seins¬ 
phase: die der alles vollendenden, weil in sich vollendeten 
Wirklichkeit, der Vollendung selbst, in der das Enden 
nicht mehr neues Anfängen besagt, eben damit aber den 
verneinenden Sinn des Endens, also Nicht-mehr-Seins ab¬ 
streift. Denn nur darum gibt es hier keinen Neu-Anfang 
mehr, weil alles, weil die Allheit selbst schon darin, weil alle 
Teilhaftigkeit hier überwunden, und damit des Neu-An- 
fangens, um wieder zu enden, selbst ein Ende geworden ist. 
Wirklichkeit ist also Eingang in die Ganzheit, in die All¬ 
heit ; es ist, nachdem in der Teilhaftigkeit des Immer-Endens 
und Neu-Anfangens eben die Ganzheit, die Allheit zerbrochen 
war, von ihr aus gesehen Rückgang in diese, Wiederherstel¬ 
lung der Allheit und Ganzheit, Wiedereinstellung in sie, 
damit Überwindung der Endlichkeit im nicht bloß Unend¬ 
lichen d. h. Endlosen, sondern schlechthin überendlichen. 
Da das Wort „Unendlichkeit“ diese Zweideutigkeit ein¬ 
schließt, ziehe ich vor, da wo dies Dritte gemeint ist, stets 
vom Überendlichen zu reden. So unterscheidet die Ma¬ 
thematik vom Infiniten das Transfinite; eine Analogie, die
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.