Full text: Vorlesungen über praktische Philosophie

Allgemein-systematische Grundlegung. 13 
jedes mitbestimmend für jedes andere und mitbestimmt 
durch jedes. Nach dem allen also fragen wir jetzt nicht; 
worauf es hier ankommt, ist vorerst nur der Sinn des Be¬ 
stimmens und Bestimmtseins überhaupt. 
Dies also ist ein zweites Ur- und Letzt-Kategoriales. Es 
begründet, im Unterschied von der Möglichkeit, dem So-oder- 
nichtso-sein-können, die Notwendigkeit, das Müssen, 
d. h. Nicht-anders-sein-können. Denn das besagt die Be¬ 
stimmtheit des So-seins, oder das Bedingen und Bedingtsein. 
Dies ist, wie man sieht, das genaue Gegenstück zum Ersten, 
der Möglichkeit, und, als Gegenstück, ihre Gegenseite, ihr 
Gegensatz, darum das notwendig Zweite zu jenem Ersten, 
das von diesem unablösliche Gegenglied selbst einer Urbe- 
ziehung dieser beider Grundkategorien zueinander. 
Was aber in diesen zwei ersten Grundkategorien zusammen 
sich ausdrückt, ist nichts anderes als der Eintritt in den Be¬ 
reich der Endlichkeit. Die erste Phase war zwar auf den 
Fortgang vom Einen zum Andern schon voraus gerichtet, 
aber selbst noch vor-endlich, und somit auch vor-unendlich, 
denn bevor überhaupt der Sinn des Endens gegeben ist, kann 
von Nichtenden so wenig wie von Enden die Rede sein. Es 
ist schon vorgreifend, wenn man in der Phase der Möglich¬ 
keit von Unendlichkeit, wenn man von Unendlichkeit der 
Möglichkeit selbst spricht. Dagegen hat die Unendlichkeit 
recht eigentlich ihren Sitz in der zweiten Phase. Sie ist der 
Sitz der Unendlichkeit, eben weil sie der Sitz der End¬ 
lichkeit ist, wreil sie den selbst unendlichen Bereich dessen, 
was überhaupt anfängt und endet, umschreibt. Die Unend¬ 
lichkeit besagt hier aber nur das Nimmer-enden des Immer- 
endens. Diese (von Hegel so benannte) „schlechte“ Unend¬ 
lichkeit ist das gründlich Unterscheidende des Bereiches der 
Endlichkeit. Was endet, endet nicht in Nichts, sondern der 
Punkt des Endens ward stets wieder zum Punkt des An¬ 
fangens eines Neuen, und indem das immer wiederum statt¬
	        

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