Full text: Vorlesungen über praktische Philosophie

Die Konstitution des Sinngehalts als praktischen. igg 
rationale und historische Gestalt sich begründen lassen, nicht 
aber ihre Aktualität. Das mochte man wohl im Sinne haben, 
wenn man gegen die „allgemeine“ oder „transzendentale“ 
Logik den Vorwurf des Panlogismus oder Panmethodismus 
richtete. Sätze wie: daß man kein Gegebenes anerkenne, daß 
alle Gegenständlichkeit auf Setzung, auf erzeugenden Grund¬ 
funktionen zumal bloß des Denkens beruhe, alles Factum in 
fieri, alle Substanz in Funktionen aufzulösen sei, konnten 
vielleicht dahin mißverstanden werden. Aber wir sehen 
die tiefere und mächtigere, die erst volle, echte Aktivität 
gerade erst in dem dritten, welches wir Aktualität nennen, 
noch deutlicher aber in der für jetzt uns wichtigen Absicht 
Aktuierung nennen sollten. Sie ist, nach unserer Auf¬ 
fassung, erst am reinsten, erst ganz schöpferisch, da erst 
sie zum Voll-wirklichen durchreicht. Denn die Struktur ist 
nur gesetzlich allgemein, die Funktion besondernd, aber erst 
die Aktualität — zwar durchaus auch gesetzlich, aber In¬ 
individualgesetzlich. Das Letzt wirkliche aber ist wesentlich 
individual. Im Individualen beweist sich erst höchste Freiheit 
undSelbstigkeit ;nichtbloßeBeweglichkeitundrastloseBewegt- 
heit, sondern unmittelbar aktives Bewegen. Alle Gehaltskon¬ 
stitution also, eben insofern sie nicht bloß Formung ist, hat 
den Charakter der Individuierung; aber die Struktur und 
die Funktion enthalten nur die Allgemeinheits- und Beson- 
derungsbedingungen für diese; dies beides zielt aber erst 
zuletzt auf die Individuierung, es ist von sich aus unfähig 
sie zu erreichen. Denn alle Formung zielt in der Tat auf 
Gehaltsdarstellung; Form ist nur Form des Gehalts und für 
ihn da, aber sie ist nicht Gehalt. 
Zeugt nun dies alles für unsere Auffassung, so ist sie da¬ 
mit doch nicht schon zulänglich bewiesen. Die Entscheidung 
der Frage aber liegt in dem zu Anfang dieser Vorlesung be¬ 
reits Ausgesprochenen: an sich ist alles da, zeitlos ewig, 
ungeschieden. Nichts ist „gegeben", nämlich nichts unter¬
	        

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