Full text: Mythus und Kultur

Typische Sondermythen 
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folglich darnach die gesamte Wirklichkeit der Gemüts¬ 
und Geisteskräfte anders bestimmen.“ Und in den 
«Ideen» Friedrich Schlegels heißt es (Athenäum 
III, 1): „Die Religion ist nicht bloß ein Teil der Bil¬ 
dung, ein Glied der Menschheit, sondern das Zentrum 
aller übrigen, überall das Erste und Höchste, das 
schlechthin Ursprüngliche.“ Ferner ebenda: „Die Idee 
der Gottheit ist die Idee aller Ideen.“ 
Die reine, sozusagen ungemischte und ungebrochene 
Herausstellung der Absolutheit der Religion gelang 
innerhalb des Kreises der Romantiker im Grunde je¬ 
doch nur dem einen Schleiermacher, der be¬ 
zeichnenderweise von sich bekannte, daß er zur Kunst 
noch weniger ein eigentliches Verhältnis habe als zur 
Natur (Hayni, Die Romantische Schule, 2. Aufl., 
S. 459). Denn was in dem merkwürdigen Fragment 
von Novalis: «Die Christenheit oder Europa» an 
religiösen Stimmungen und Ideen vorhanden ist, ist 
bis in seine Glaubensvoraussetzungen hinein von 
Schleiermachers Reden abhängig. Doch erübrigt es 
sich, an dieser Stelle auf Schleiermachers Verhältnis 
zur Religion und auf die absolute Bedeutung einzu¬ 
gehen, die sie für ihn hatte. (Ebenso bleibt hier natür¬ 
lich seine religionsphilosophische und religionspsycho¬ 
logische Leistung unerwähnt.) Er gehört in die Reihe 
jener ausschließlichen und unbedingten Naturen, deren 
Leben, wie das z. B. bei Mose, Jesus, Mohammed, 
Franz von Assisi, Luther der Fall war, bis in die ein¬ 
zelnen, auch unwichtigen Züge und Handlungen hinein, 
die aber dadurch alle Unwesentlichkeit verloren, von 
einem geradezu persönlichen Verhältnis zum Ewigen 
erfüllt, durch ein unmittelbares Besitzergreifen und 
Gewißsein des Absoluten gekennzeichnet ist. Bei 
ihnen ist das Transzendieren zum Absoluten so sehr 
der Anfang und das Ende ihres Seins, es stellt einen 
so unaufhörlichen und einen so unantastbar sicheren
	        

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