Full text: Mythus und Kultur

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Mythus und Kultur 
nasialdirektoren Jachmann und Passow, in Süd¬ 
deutschland bei Friedrich Jacobs und Friedrich 
Thiersch: bei ihnen allen mischte sich in ihre Griechen¬ 
verehrung die politische Auswertung derselben für na¬ 
tionale Zwecke, für die Stärkung und Vertiefung des 
deutschen Gedankens. Der sich allmählich bildende 
politische Wille hatte seinen Leitstern in dem Ideal der 
«höheren Geisteskultur» der Griechen; denn hier 
glaubte man die ersehnte Verbindung von erhabenem 
Weltbürgertum mit selbstbewußtem Nationalstolz in 
vorbildlicher Einheit und Verwirklichung vor sich zu 
haben. Und höchst wahrscheinlich, daß allen diesen 
Männern, deren Reihe sich noch um eine beträchtliche 
Zahl der klingendsten Namen vermehren ließ (Lessings 
„Phiiotas“), die Idee des Staates und der Begriff der 
Nation erst Gestalt und Klarheit gewannen durch 
jenen Mythus, den ihre Begeisterung sich von der 
politischen Existenz und den politischen und natio¬ 
nalen Kämpfen der Griechen schuf. 
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C. 
Während sich in dem Bi Id ungs-Mythus des 
Neuhumanismus eine bezeichnende Ver¬ 
webung ethischer, ethisch-politischer und ästhetischer 
Züge äußert und die Eigentümlichkeit dieses Mythus 
und das Geheimnis seines Ansehens und Einflusses 
aut dieser Verwebung beruhen, vollzieht sich die 
Verabsolutierung ausschließlich ästhetischer Momente 
in dem Mythus von der Kunst. Es ist die Ro¬ 
mantik, die diesen Mythus schafft. Ihr ist nicht 
ein philosophisches System, auch nicht der Wert 
sittlicher Harmonie und harmonischer Sittlichkeit das 
Ewige und Unbedingte, das Vollkommene und Er¬
	        

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