Full text: Ethik

übrige tut. Wenn es daher für alles, was unter die mensch¬ 
liche Handlung fällt, ein gemeinsames Ziel gibt, so ist 
dieses das durch Handeln erreichbare Gut, und wenn 
mehrere, diese. So ist denn unsere Erörterung auch auf 
diesem Wege wieder zu dem gleichen Ergebnisse gelangt. 
Jedoch müssen wir versuchen, dasselbe noch besser zu 
verdeutlichen. 
Da der Ziele zweifellos viele sind und wir deren manche 
nur wegen anderer Ziele wollen, so leuchtet ein, daß sie 
nicht alle Endziele sind, während doch das höchste Gut 
ein Endziel und etwas Vollendetes sein muß. Wenn es 
daher nur ein Endziel gibt, so muß dieses das Gesuchte 
sein, und wenn mehrere, dasjenige unter ihnen, welches 
im höchsten Sinne Endziel ist. Als Endziel in höherem 
Sinne gilt uns das seiner selbst wegen Erstrebte gegen¬ 
über dem eines andern wegen Erstrebten und das, was 
niemals wegen eines anderen gewollt wird, gegenüber 
dem, was ebenso wohl deswegen wie wegen seiner selbst 
gewollt wird, mithin als Endziel schlechthin und als 
schlechthin vollendet, was allezeit seinetwegen und nie¬ 
mals eines anderen wegen gewollt wird. Eine solche Be¬ 
schaffenheit scheint aber vor allem die Glückseligkeit zu 
besitzen. Sie wollen wir immer wegen ihrer selbst, nie 
wegen eines anderen, während wir die Ehre, die Lust, 
den Verstand und jede Tugend zwar auch ihrer selbst 
wegen wollen (denn wenn wir auch nichts weiter von 
ihnen hätten, so würden uns doch alle diese Dinge er¬ 
wünscht sein), doch wollen wir sie auch um der Glück¬ 
seligkeit willen in der Überzeugung eben durch sie ihrer 
teilhaftig zu werden. Die Glückseligkeit dagegen will 
keiner wegen jener Güter und überhaupt um keines 
anderen willen. 
Zu demselben Ergebnisse mag uns der Begriff des Ge- 
nügens führen. Das vollendet Gute muß sich selbst ge¬ 
nügen. Wir verstehen darunter ein Genügen nicht bloß 
für den einzelnen, der für sich lebt, sondern auch für 
seine Eltern, Kinder, Weib, Freunde und Mitbürger über¬ 
haupt, da der Mensch von Natur für die staatliche Ge¬ 
meinschaft bestimmt ist. Indessen muß hier eine Grenze 
gezogen werden. Denn wollte man dies noch weiter auf 
die Vorfahren und Nachkommen und auf die Freunde 
der Freunde ausdehnen, so käme man an kein Ende. 
Dies soll später in Betracht genommen werden. Als 
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