Full text: Ethik

gegengesetzt ist, oder im Denken ist es also vollkommen. 
Das absolute Wesen aber ist eben dies Gedachte und 
jenseits der Wirklichkeit Postulierte; es ist daher der 
Gedanke, in welchem das moralisch unvollkommne 
Wissen und Wollen für vollkommen gilt, hiermit auch, 
indem es dasselbe für vollwichtig nimmt, die Glückselig¬ 
keit nach der Würdigkeit, nämlich nach dem ihm zu¬ 
geschriebenen Verdienst erteilt. 
3. [Die moralische Welt als Vorstellung.] 
Die Weltanschauung ist hierin vollendet; denn in dem 
Begriffe des moralischen Selbstbewußtseins sind die 
beiden Seiten, reine Pflicht und Wirklichkeit, in einer 
Einheit gesetzt, und dadurch die eine wie die andere 
nicht als an und für sich seiend sondern als Moment oder 
als aufgehoben. Dies wird in dem letzten Teile der mora¬ 
lischen Weltanschauung für das Bewußtsein; die reine 
Pflicht nämlich setzt es in ein anderes Wesen als es selbst 
ist, d. h. es setzt sie teils als ein Vorgestelltes, teils als 
ein Solches, das nicht das ist, was an und für sich gilt, 
sondern das Nichtmoralische gilt vielmehr als vollkom¬ 
men. Ebenso sich selbst setzt es als ein solches, dessen 
Wirklichkeit, die der Pflicht unangemessen ist, aufge¬ 
hoben, und als aufgehobene oder in der Vorstellung des 
absoluten Wesens, der Moralität nicht mehr widerspricht. 
Für das moralische Bewußtsein selbst hat jedoch seine 
moralische Weltanschauung nicht die Bedeutung, daß es 
in ihr seinen eigenen Begriff entwickelt und ihn sich zum 
Gegenstände macht; es hat weder ein Bewußtsein über 
diesen Gegensatz der Form, noch auch über den Gegen¬ 
satz dem Inhalte nach, dessen Teile es nicht unter ein¬ 
ander bezieht und vergleicht, sondern in seiner Ent¬ 
wicklung sich, ohne der zusammenhaltende Begriff der 
Momente zu sein, fortwälzt. Denn es weiß nur das reine 
Wesen oder den Gegenstand, insofern er Pflicht, insofern 
er abstrakter Gegenstand seines reinen Bewußtseins ist, 
als reines Wissen oder als sich selbst. Es verhält sich 
also nur denkend, nicht begreifend. Daher ist ihm der 
Gegenstand seines wirklichen Bewußtseins noch nicht 
durchsichtig; es ist nicht der absolute Begriff, der allein 
das Anderssein als solches oder sein absolutes Gegenteil 
als sich selbst erfaßt. Seine eigene Wirklichkeit sowie 
alle gegenständliche Wirklichkeit gilt ihm zwar als das 
Unwesentliche; aber seine Freiheit ist die Freiheit des 
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