Full text: Ethik

Art gesund zu machen, und für einen Giftmischer, um 
ihn sicher zu töten, sind insofern von gleichem Wert, 
als eine jede dazu dient, ihre Absicht vollkommen zu 
bewirken. Weil man in der frühen Jugend nicht weiß, 
welche Zwecke uns im Leben auf stoßen dürften, so 
suchen Eltern vornehmlich ihre Kinder recht vielerlei 
lernen zu lassen und sorgen für die Geschicklichkeit 
im Gebrauch der Mittel zu allerlei beliebigen Zwecken, 
von deren keinem sie bestimmen können, ob er nicht 
etwa wirklich künftig eine Absicht ihres Zöglings werden 
könne, wovon es indessen doch möglich ist, daß er sie 
einmal haben möchte, und diese Sorgfalt ist so groß, daß 
sie darüber gemeiniglich verabsäumen, ihnen das Urteil 
über den Wert der Dinge, die sie sich etwa zu Zwecken 
machen möchten, zu bilden und zu berichtigen. 
Es ist gleichwohl ein Zweck, den man bei allen ver¬ 
nünftigen Wesen (sofern Imperative auf sie, nämlich als 
abhängige Wesen, passen) als wirklich voraussetzen kann, 
und also eine Absicht, die sie nicht etwa bloß haben 
können, sondern von der man sicher voraussetzen kann, 
daß sie solche insgesamt nach einer Naturnotwendigkeit 
haben, und das ist die Absicht auf Glückseligkeit. 
Der hypothetische Imperativ, der die praktische Not¬ 
wendigkeit der Handlung als Mittel zur Beförderung der 
Glückseligkeit vorstellt, ist assertorisch. Man darf 
ihn nicht bloß als notwendig zu einer ungewissen, bloß 
möglichen Absicht vortragen, sondern zu einer Absicht, 
die man sicher und a priori bei jedem Menschen voraus¬ 
setzen kann, weil sie zu seinem Wesen gehört. Nun 
kann man die Geschicklichkeit in der Wahl der Mittel 
zu seinem eigenen größten Wohlsein Klugheit im 
engsten Verstände nennen. Also ist der Imperativ, der 
sich auf die Wahl der Mittel zur eigenen ( lückseligkeit 
bezieht, d. i. die Vorschrift der Klugheit, noch immer 
hypothetisch; die Handlung wird nicht schlechthin, 
sondern nur als Mittel zu einer anderen Absicht geboten. 
Endlich gibt es einen Imperativ, der, ohne irgend eine 
andere durch ein gewisses Verhalten zu erreichende Ab¬ 
sicht als Bedingung zum Grunde zu legen, dieses Ver¬ 
halten unmittelbar gebietet. Dieser Imperativ ist kate¬ 
gorisch. Er betrifft nicht die Materie der Handlung 
und das, was aus ihr erfolgen soll, sondern die Form und 
das Prinzip, woraus sie selbst folgt, und das Wesentlich- 
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