Full text: Ethik

Wo nicht, so ist sie verwerflich, und das zwar nicht um 
eines dir oder auch anderen daraus bevorstehenden Nach¬ 
teils willen, sondern weil sie nicht als Prinzip in eine mög¬ 
liche allgemeine Gesetzgebung passen kann; für diese 
aber zwingt mir die Vernunft unmittelbare Achtung ab, 
von der ich zwar jetzt noch nicht einsehe, worauf sie 
sich gründe (welches der Philosoph untersuchen mag), 
wenigstens aber doch soviel verstehe: daß es eine Schät¬ 
zung des Wertes sei, welcher allen Wert dessen, was 
durch Neigung angepriesen wird, weit überwiegt, und 
daß die Notwendigkeit meiner Handlungen aus reiner 
Achtung fürs praktische Gesetz dasjenige sei, was die 
Pflicht ausmacht, der jeder andere Bewegungsgrund 
weichen muß, weil sie die Bedingung eines an sich 
guten Willens ist, dessen Wert über alles geht. 
Übergang von der populären 
sittlichen Weltweisheit zur Metaphysik der Sitten. 
Ein jedes Ding der Natur wirkt nach Gesetzen. Nur S. 34—44 
ein vernünftiges Wesen hat das Vermögen, nach der 
Vorstellung der Gesetze, d. i. nach Prinzipien zu han¬ 
deln, oder einen Willen. Da zur Ableitung der Hand¬ 
lungen von Gesetzen Vernunft erfordert wird, so ist 
der Wille nichts anderes als praktische Vernunft. Wenn 
die Vernunft den Willen unausbleiblich bestimmt, so 
sind die Handlungen eines solchen Wesens, die als objek¬ 
tiv notwendig erkannt werden, auch subjektiv notwendig, 
d. i. der Wille ist ein Vermögen, nur dasjenige zu 
wählen, was die Vernunft unabhängig von der Neigung 
als praktisch notwendig, d. i. als gut erkennt. Bestimmt 
aber die Vernunft für sich allein den Willen nicht hin¬ 
länglich, ist dieser noch subjektiven Bedingungen (ge¬ 
wissen Triebfedern) unterworfen, die nicht immer mit 
den objektiven übereinstimmen; mit einem Worte ist 
der Wille nicht an sich völlig der Vernunft.gemäß (wie 
es bei Menschen wirklich ist): so sind die Handlungen, 
die objektiv als notwendig erkannt werden, subjektiv 
zufällig, und die Bestimmung eines solchen Willens ob¬ 
jektiven Gesetzen gemäß ist Nötigung; d. i. das Ver¬ 
hältnis der objektiven Gesetze zu einem nicht durchaus 
guten Willen wird vorgestellt als die Bestimmung des 
Willens eines vernünftigen Wesens zwar durch Gründe 
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