Full text: Zur Lehre vom Gemüt

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Zur Lehre vom Gemüt. 
und 2 schon einmal gesagt ist. In diesen aber wird augen¬ 
scheinlich die Eigenart der Stimmung einzig auf die 
Eigenart des Gegenständlichen im Bewußtsein zurück¬ 
geführt, was ja auch durchaus schulgemäße herbartische Auf¬ 
fassung ist, und wir können, wie wir zeigen werden, dieser 
Zurückführung im Großen und Ganzen zustimmen, indem wir 
freilich von den herbartischen Bestimmungen absehen müssen. 
In Punkt 1 ist als das eine bedingende Stück für das 
Gefühl in der Stimmung offenbar jenes Gegenständliche ge¬ 
meint, das wir die „unklare Körperempfindung“ genannt und 
für das „maßgebende“ Gegenständliche der Stimmung erklärt 
haben. Diese „unklare Körperempfindung“ ist wie Nahlowsky 
auch hervorhebt, abhängig von einer Menge kleiner Verände¬ 
rungen des Leibes, „die aus allen Provinzen des Leibes zu den 
Zentralorganen hinleiten“, und in diesem Sinn hängt, wie Nah¬ 
lowsky richtig bemerkt, die Stimmung, der „Grundton des Ge¬ 
mütslebens“, von dem Zustande des Nervensystems und dem 
Reize der Vitalveränderungen des Leibes ab. Nur halten 
wir es hier um der Klarheit der Darstellung willen für an¬ 
gebracht, nicht von einer „Stimmung“ (siehe S. 82), sondern 
von einem „Zustande“ des Nervensystems, und nicht von einem 
„Grundton der Vitalempfindung“, sondern von einem „Reize 
der Vitalveränderungen des Leibes“ zu reden. Sehen 
wir von diesem Unterschiede im Ausdrucke ab, so trifft Nah¬ 
lowsky, nach unserer Meinung wenigstens, mit uns in der An¬ 
sicht zusammen, daß die „unklare Körperempfindung“ das 
„maßgebende“ Gegenständliche („das einen analogen Grundton 
der Stimmung hervorruft“) in der Stimmung sei. Zwischen 
uns und Nahlowsky bestände dann nur noch die Meinungs¬ 
verschiedenheit, daß er diese Körperempfindung nicht in die 
Stimmung mit einschließt, während sie uns zu der Stimmung 
selbst gehört. 
Auch im Punkt 2 treffen wir anscheinend in der Sache 
mit Nahlowsky zusammen. Wenn er das die Stimmung Mit¬ 
bedingende die Vorstellungen, „die teils durch Nerven- 
stimmung und Gemeinempfindung angeregt sind und 
nicht ein klares Bewußtsein ergeben“, nennt, so stimmt 
dies, wie wir meinen, sachlich durchaus zusammen mit dem,.
	        

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