Full text: Zur Lehre vom Gemüt

Zur Lehre vom Gemüt. 
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einem der Wehmut über den Verlust, in welchem eben die 
„Erinnerung an das Verlorene“ daun die maßgebende Be¬ 
dingung für die Besonderheit der augenblicklichen zuständlichen 
Bewußtseinsbestimmtheit ist, in rascher Folge wechselt, 
wodurch für den flüchtigen Beobachter der Schein des Zu¬ 
gleichseins zwar von „Freude“ und „Wehmut“, Lust und 
Unlust, erweckt und somit die Versuchung nahegelegt wird, 
von einer „wehmütigen Freude“ als einem Gefühl nach der 
Analogie von „bläulichem Rot“ zu reden, also das Nach¬ 
einander und den Wechsel des verschiedenartigen Zuständ¬ 
lichen der Seele in ein Zugleichsein und eine Mischung 
zu verkehren. 
Daß die Wehmut, wenn anders mit diesem Worte das 
Zuständliche eines Seelenaugenblickes und nicht etwa eine 
Reihe von Seelenaugenblicken in ihrem verschiedenartigen 
wechselnden Zuständlichen getroffen werden soll, — daß 
Wehmut nicht ein aus Lust und Unlust gemischtes Gefühl, 
sondern schlechtweg Unlustgefühl sei, kann der prüfenden 
Selbstbeobachtung auf die Dauer gar nicht zweifelhaft bleiben, 
und der Schein, daß zu der anfänglich wohl vorherrschenden 
Unlust doch auch Lust sich geselle, kann nur dadurch auf- 
kommen, daß die Vorstellung von der uns teuren Persön¬ 
lichkeit als solcher, die etwa in einem besonderen Augenblicke 
im Blickpunkte des gegenständlichen Bewußtseins steht und 
dann- eben die maßgebende Bedingung eines Gefühls, das 
eine Lust bedeutet, ist, tatsächlich in dieser zentralen Stellung 
abwechselt mit der Vorstellung von jener Persönlichkeit als 
verlorener, die dann als maßgebende Bedingung in einem 
besonderen Augenblicke ein Gefühl der Unlust, die Wehmut 
mit sich führt. Das tatsächliche Nebeneinander der Lust 
und der Unlust wird aber auch in diesem Falle von der 
gegnerischen Meinung irrigerweise als ein Zugleichsein der 
Lust und der Unlust verstanden, so daß nach ihr die Wehmut 
Lust und Unlust zugleich die Besonderheit einer zuständlichen 
Bestimmtheit sind, Lust und Unlust also die beiden „Momente“ 
eines Gefühls bilden. 
Diese irrige Meinung mag auch noch dadurch gefördert 
sein, daß in dem Seelenaugenblicke, der Wehmut d. i. Unlust 
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