Full text: Zur Lehre vom Gemüt

Zur Lehre vom Gemüt. 
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nur das Wahre zugrunde, daß in dem ersten Falle das ver¬ 
schiedene bedingende Gegenständliche in der Aufmerksamkeit 
gegeneinander viel gesonderter ist (Blumen, Musik, Tischgerät, 
Gespräch), als in dem zweiten Falle („Form“ und „Bestim¬ 
mung“ eines Gegenstandes des Kunsthandwerkes, z. B. eines 
Stuhles, s. Lehmann a. a. 0. S. 246). An den Gefühlen selber, 
wie sie in unserer Erfahrung vorliegen, findet indes diese Unter¬ 
scheidung keinen Anhaltspunkt und in beiden Fällen bietet 
sich das Gefühl nicht nur als eines, sondern auch als schlecht¬ 
hin einfaches dar. 
Besonders aber haben wir nun noch auf die Behauptung 
eines bestimmten „gemischten“ Gefühls Bezug zu nehmen, das 
nicht aus gleichartigen (entweder Lust- oder Unlust-), sondern 
sogar aus ungleichartigen (Lust- und Unlust-) „Gefühlstönen“ 
gemischt sein soll. Lehmann räumt dabei zwar ohne Weiteres 
ein, daß in vielen Fällen, in denen man dieses „gemischte“ 
Gefühl zu haben meine, tatsächlich auch ein WTechsel von 
Lust und Unlust vorliege; indessen, meint er, gebe es doch 
immerhin auch tatsächlich ein aus „Lust- und Uniustmomenten 
gemischtes Gefühl“. Hätte Lehmann hierin Recht, dann würde 
dieses Gefühl in den meisten, wenn nicht gar in allen Fällen 
nach der allgemeinen Hypothese von „Gefühlstönen“ ein ge¬ 
mischtes Gefühl „höherer Ordnung“ sein müssen, da dann 
dessen „Lustmoment“ doch selber schon als „gemischtes Lust¬ 
gefühl“ d. i. aus einer Mehrzahl von „Lustgefühlstönen“ ge¬ 
mischte Lust anzusehen wäre, und ebenso dessen „Unlust¬ 
moment“ als aus einer Mehrzahl von „Unlust-Gefühlstönen“ zu¬ 
sammengesetzt begriffen werden müßte, so daß also das aus 
„Lust- und Unlustmoment“ angeblich gemischte eine Gefühl 
genauer gefaßt als ein aus „gemischtem Lust- und gemischtem 
Unlustgefühl gemischtes“, also als ein gemischtes Gefühl 
höherer Ordnung, ein doppelt gemischtes gelten müßte. 
Betrachten wir das Beispiel eines angeblich „gemischten 
Gefühls“, das uns Lehmann vorlegt: „Der kühne Bergsteiger 
sucht den spannenden Genuß, der nur dann entsteht, wenn er 
bei jedem Schritte nicht vorgesehene Schwierigkeiten zu be¬ 
kämpfen hat; die Unlust, welche die Gefahren und Schwierig¬ 
keiten erregen, verschmilzt vollständig mit der Lust an
	        

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