Full text: Zur Lehre vom Gemüt

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Zur Lehre vom Gemüt. 
trete. Unser Sprachgebrauch pflichtet dieser Möglichkeit in 
einigen Fällen ausgesprochenermaßen bei, denn er redet von 
einem Affekt der Trauer und einem „Gefühl“ der Trauer, von 
einem Mutaffekt und einem Mutgefühl, von einem Affekt des 
Kummers und einem „Gefühl“ des Kummers, von einem Affekt 
der Bangigkeit und einem bangen „Gefühl“; und wo unsere 
Sprache auch nicht dieselben Namen für beides gebraucht, da 
können wir doch in manchen Fällen die Verwandtschaft von 
bestimmten Affekten und bestimmten anderen „Gefühlen“ leicht 
feststellen: wir erinnern nur an den Affekt des Zorns und an 
das „Gefühl“ des Unmuts, an den Affekt des Entzückens und 
das „Gefühl“ der Freude. Biese „Verwandtschaft“ von be¬ 
stimmten Affekten und bestimmten anderen „Gefühlen“ ist 
auch eine viel innigere, als die zwischen bestimmten „Gefühlen“ 
und bestimmten „Stimmungen“, da dort beides ein „Gefühl“ 
ist, mithin das „maßgebende“ Gegenständliche und das „be¬ 
gleitende“ Gegenständliche als das bestimmte Gegebene über¬ 
haupt wenigtens der Art, wenn auch nicht der Intensität nach 
bei beiden dasselbe sind, während bei „Gefühl“ und Stimmung 
das Gegenständliche, das in der letzten das „maßgebende“ 
Gegenständliche bedeutet, im ersten das „begleitende“ ist. 
Da das, was wir Affekt nennen, sich, eben weil sein 
maßgebendes Gegenständliches niemals Körperempfindung 
ist, demnach von der Stimmung, deren „maßgebendes“ 
Gegenständliches immer Körperempfindung ist, klar unter¬ 
scheidet, so können wir auch Lehmann darin nicht Recht 
geben, daß Affekt und Stimmung „nicht wesentlich verschieden“ 
seien. Denn die Verschiedenheit der Stellung, welche die 
Körperempfindung in ihnen — ist doch Affekt ein „Gefühl“ — 
aufweist, zeigt sie zweifellos als „wesentlich“ verschiedene 
Bestimmtheitsbesonderheiten des Bewußtseins, wenn auch, da 
ja Affekt immer ein „Gefühl“ ist, jene Verwandtschaft, die 
wir schon früher bei der Gegenüberstellung von „Gefühl“ über¬ 
haupt und Stimmung erörtert haben, auch zwischen Affekt und 
Stimmung besteht und auch sie beide mit ein und demselben Bei¬ 
wort bezeichnet sein läßt, z, B. Zornaffekt und zornige Stimmung. 
Aber erst wenn jene wesentliche Verschiedenheit zu gründe 
gelegt wird, können wir Lehmanns Meinung im Großen und
	        

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