Full text: Zur Lehre vom Gemüt

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Zur Lehre vom Gemüt. 
Affektes selber. Diejenigen Psychologen die, wie Lange und 
Sergi, sowie früher auch James, dieses Stück in den Mittel¬ 
punkt gerückt und als eigentlichen Kern des Affekts hin¬ 
gestellt haben, sind nur zu weit gegangen, indem sie das 
allerdings die Affekte als besondere „Gefühle“ zweifellos allein 
Kennzeichnende, die starke Körperempfindung, für das den 
Affekt als Bestimmtheitsbesonderheit überhaupt auch in erster 
Linie Bedingende ansahen. Dieses aber ist und bleibt, 
wie für das „Gefühl“ überhaupt, so natürlich auch für den 
Affekt das im Blickpunkt des Bewußtseins stehende „ma߬ 
gebende“ Gegenständliche, das natürlich bei dem Affekt auch 
immer ein anderes Gegenständliches als Körper¬ 
empfindung ist. 
Dieses „maßgebende“ Gegenständliche steht auch für jeden 
Affekt trotz aller Stärke der „begleitenden“ Körperempfindung 
im Blickpunkte des Bewußtseins und ist dasjenige, was seiner¬ 
seits das Auftreten des den Affekt als besonderes „Gefühl“ 
allerdings allein charakterisierenden „begleitenden“ Gegen¬ 
ständlichen bedingt, wie dieses auf Grund von Veränderungen des 
Muskel-, Gefäß- und Nervensystems des menschlichen Körpers 
eben als „unklare Empfindung“ (auch Yitalempfindung ge¬ 
nannt) in großer Intensität da ist. 
Ob ein „Gefühl“ nun in dem einzelnen Fall ein Affekt 
sei oder nicht, ob es in einem bestimmten Fall „schon“ ein 
Affekt oder „noch nicht“ so zu nennen sei, wird vielfach schwer 
festgestellt werden können, da keine Intensitätsgrenze in 
Maß und Zahl für die dem Affekte zukommende Körper¬ 
empfindung angegeben werden kann. Im Ganzen und Großen 
aber haben wir ein Kennzeichen darin, daß in dem „Gefühl“, 
das wir „Affekt“ nennen, die „unklare“ Körperempfindung doch 
als ein besonderes Stück deutlich zum Bewußtsein kommt, 
während im sonstigen „Gefühl“ das nicht prüfende Be¬ 
wußtsein gar nicht der „begleitenden“ Körperempfindung als 
einer besonderen inne wird. Dieses ist ja auch der Grund, 
daß selbst der Prüfende bei der Zergliederung des „Gefühls“ 
im Allgemeinen das „begleitende“ Gegenständliche leicht über¬ 
sieht, während es ihm bei dem besonderen „Gefühl“, das wir 
Affekt nennen, niemals entgeht. Auf ebendenselben Umstand
	        

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