Full text: Gedanken

gewiß, aber auch der Augenblick, wo er einer 
anderen Lebensmacht erlag, die sich besser auf 
Wirklichkeiten verstand als er. 
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In der geschichtlichen Wirklichkeit regiert 
nicht das Ideal, die Güte und die Moral - ihr 
Reich ist nicht von dieser Welt! - sondern der 
Entschluß, die Energie, die Geistesgegenwart, 
die praktische Begabung. Mit Klagen und sitt¬ 
lichen Gerichten schafft man die Tatsache 
nicht ab. So ist der Mensch, so ist das Leben, 
so ist die Geschichte. 
144 
Die Tiefe des Weltleidens, ein Gefühl, das so 
alt ist als das Grübeln über die Welt selbst, die 
Klage über die Absurdität der Geschichte und 
die Grausamkeit des Lebens, stammt nicht aus 
den Dingen, sondern aus dem kranken Denken 
über sie. Es ist das vernichtende Urteil über 
den Wert und die Kraft der eigenen Seele. Ein 
tiefer Weitblick ist nicht notwendig mit Trä¬ 
nen gesättigt. 
T4S 
Die Geschichte ist ein Meer von Leiden, aber 
erst damit ist das hohe Leben möglich: stolz 
4 Sp. G. 
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