Vorwort
Jubiläen werden gern genutzt, um Rückschau zu halten und Rechenschaft abzulegen.
Zum zehnjährigen Bestehen der durch Regierungsverordnung vom 7. Juni
1951 gegründeten Kommission für Saarländische Landesgeschichte und Volksforschung
zog ihr langjähriger Geschäftsführer Hans Walter Herrmann eine erste Bilanz'.
Er stellte fest, dass die Kommission ihrem Auftrag, „die Geschichte, einschließlich
der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte [...] des Saarlandes zu erforschen“
durch das Sammeln und Bereitstellen archivalischer Quellen zur saarländischen
Geschichte gerecht geworden ist, und sprach die Hoffnung aus auf eine „rührige
Editionstätigkeit“ im zweiten Jahrzehnt.
ln der ausführlichen Bestandsaufnahme nach 25 Jahren waren dann einige Veränderungen
zu vermelden1 2. Aus der ursprünglichen staatlichen Stelle für Regionalgeschichtsforschung
war ein eingetragener Verein geworden; die Veröffentlichung
von Quellen war mangels der Möglichkeit, Editionsaufträge zu erteilen, hinter die
Publikation von Forschungsarbeiten zurückgetreten. Dennoch konnte die Kommission
eine erfreuliche Bilanz ziehen: Mit damals 16 Publikationen innerhalb ihrer
Schriftenreihe (Bände 1 und 3-10), davon sieben Bände Saarländische Bibliographie,
und fünf Bänden außerhalb der Veröffentlichungsreihe (darunter die Inventare
saarländischer Betreffe in der Collection Lorraine der Handschriftenabteilung
der französischen Nationalbibliothek und im Departementalarchiv Nancy) war ein
beachtlicher Leistungsnachweis in einer vergleichsweise finanzschwachen Zeit gelungen.
Ihr 50-jähriges Bestehen nahm die Kommission zum Anlass, Überlegungen zu
der in den Industrieregionen intensiv geführten Debatte um die Zukunft industriekultureller
Relikte nach dem Niedergang der Schwerindustrie beizutragen. Auf einer
mehrtägigen internationalen Tagung über „Forschungsaufgabe Industriekultur“
wurden Eigenheiten der Saarregion durch den nationalen und internationalen Vergleich
und in der Analyse der Vernetzung mit den Nachbarregionen Lothringen
und Luxemburg herausgearbeitet3.
Nach einem weiteren Jahrzehnt mit einer dankenswerterweise gewachsenen Unterstützung
durch saarländische Ministerien erinnert nun eine Jubiläumsschrift an
das 60-jährige Bestehen der Kommission, Bezug nehmend auf die konstituierende
Sitzung am 6. November 1952. In ganz überwiegender Anzahl steuern Mitglieder
der Kommission Beiträge aus ihren Forschungsgebieten bei. Gemeinsamer Bezugspunkt
ist „das Land an der Saar“, dessen Geschichte aus zeitlich verschiedenen
Blickwinkeln, mit vielfältigen methodischen Ansätzen und in interdisziplinärem
Zugriff beleuchtet wird. Aus Geographie, Archäologie, Germanistik, Theologie,
1 Hans-Walter Herrmann, Zehn Jahre Kommission für Saarländische Landesgeschichte,
in: Saarbrücker Hefte 16 (1962), S. 71-76.
2 25 Jahre Kommission für Saarländische Landesgeschichte und Volksforschung 1952-1977.
Gründung, Aufbau, Tätigkeit, Saarbrücken 1977.
Die Ergebnisse liegen vor im Tagungsband: Forschungsaufgabe Industriekultur. Die
Saarregion im Vergleich, hg. von Hans-Walter Herrmann, Rainer Hudemann und Eva
Kell unter Mitarbeit von Alexander KÖNIG (Veröffentlichungen der Kommission für
Saarländische Landesgeschichte und Volksforschung 37), Saarbrücken 2004.
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