Deutsche Historische Institut in Rom leitete, bot mir im Frühsommer 1967 an, eine
von ihm geschaffene Gastdozentur am Römischen Institut anzutreten, damit endlich
die seit meinem Weggang von Freiburg nach Saarbrücken und meinem Rombesuch
Ende September 1961 mehr oder weniger ruhende Edition des Liber memorialis
von Remiremont zu einem Ende geführt werde. Tellenbach hatte während
seiner Einarbeitungszeit in Rom, in der er seine Konzentrationskraft auf vieles andere
richten musste, versehentlich ein ganz veraltetes Manuskript bei der Zentraldirektion
der MGH zum Druck eingereicht; insofern waren die Korrekturen, die dann
von Herrn Tellenbach liegengelassen wurden, umfangreicher als üblich; und Karl
Schmid, der nach seiner Habilitation in Freiburg einem Ruf nach Münster/Westfalen
gefolgt war und die Gastdozentur im Vorjahr wahrgenommen hatte,
war mit der Behebung der Unstimmigkeiten nicht recht vorangekommen. Als ich
mit dieser Nachricht beim Dekan um eine Beurlaubung von einem bis zwei Jahren
nachsuchte, war ihm - das merkte ich ihm an - die Versöhnung seiner Professorenkollegen
etwas leichter geworden. Man einigte sich auf den Wiener Mediävisten
Harald Zimmermann“", der dann mehrere Jahre als Ordinarius für Mittelalterliche
Geschichte in Saarbrücken wirkte.
So konnte ich also im Herbst 1967 mit meiner kleinen Familie - nachdem meine
Frau und ich rasch den Führerschein erworben und wir kurz entschlossen einen
Volkswagen-Käfer gekauft hatten - die Reise nach Rom antreten. Mit Saarbrücken
blieb ich dadurch verbunden, dass ich ja nach wie vor dort nicht nur meine Wohnung
beibehielt, sondern auch weiterhin Mitglied des Uni-Lehrkörpers und aus ihm
nur vorübergehend beurlaubt war.
Über die sehr arbeitsintensive, aber auch in jeder anderen Hinsicht sehr eindrucksvolle
„Römische Zeit“, in der wir die „Ewige Stadt“ und auch Süditalien
und Sizilien, das italienische Leben und die Mentalität der Italiener gut kennen lernen
konnten, und in der ich auch den ersten Teil meiner Habilitationsschrift zum
Druck brachte, ist hier nicht zu berichten. Sie wurde freilich nach einem Jahr
dadurch unterbrochen, dass ich zur Übernahme einer Lehrstuhlvertretung in Heidelberg
gebeten worden war und diese annahm. Also beluden wir wieder unseren
Volkswagen und kehrten in der zweiten Septemberhälfte 1968 nach Saarbrücken in
unsere Wohnung zurück.
Als wir dann in Saarbrücken beim ersten Besuch einer Messe in der Basilika St.
Johann merkten, dass nunmehr - als erste sichtbare Folge der Beschlüsse des
Zweiten Vatikanischen Konzils - eine deutsche Liturgie (nicht mehr die lateini-20
Prof. Dr. Dr. Dr. h. c. mult. Harald Zimmermann (geboren 1926): von 1968 bis 1978 Ordinarius
für mittelalterliche Geschichte an der Universität des Saarlandes. Vgl. dazu die
bio-bibliographische Übersicht Harald Zimmermann, in: Der Konstanzer Arbeitskreis für
mittelalterliche Geschichte (wie Anm. 2), S. 443-451. Vgl. außerdem die autobiographischen
Zeugnisse Harald Zimmermann, Dankrede zur Verleihung des Siebenbürgisch-Sächsischen
Kulturpreises 1994, in: Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens 20 (1996),
S. 300-305; Harald Zimmermann, Historia pro mea informatione describere. Vortrag anläßlich
der Feier seines goldenen theologischen Doktorjubiläums am 22.3.2001 Wien, in: Wiener
Jahrbuch für Theologie 4 (2002), S. 339-350. Die Beiträge zum Festkolloquium zu
seinem 80. Geburtstag 2006 sind dokumentiert in der Publikation: Die Faszination der
Papstgeschichte. Neue Zugänge zum frühen und hohen Mittelalter, hg. von Wilfried
Hartmann und Klaus Herbers (Beihefte zu Johann Friedrich Böhmer, Regesta Imperii
28), Köln 2008.
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