Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

eine  Reflexgründung  aus  dem  Lager  der  „Heimatbund“-Parteien|s  der  Zeit  des
Saarreferendums  vom  Oktober  1955  gegen  die  unter  der  Leitung  von  Eugen  Meyer
stehende  „Kommission  für  Saarländische  Landesgeschichte  und  Volksforschung“
entstanden  war  (denn  Eugen  Meyer  war  ja  als  „Direktor“  im  Saarbrücker  Kultusministerium
  und  „rechte  Hand“  des  für  das  „Europäische  Saarstatut“  eintretenden
Ministerpräsidenten  Johannes  Hoffmann15 16  tätig  gewesen),  wusste  ich  sehr  wohl;
doch  konnte  ich  begründet  hoffen,  durch  meine  inzwischen  (über  die  Diskussionen
im  Bereich  der  Genealogie)  herangereiften  Kontakte  zu  Eugen  Meyer  die  noch  unterschwellig
  spürbaren  Animositäten  aus  der  Referendumszeit  überwinden  zu  können.
  Eine  Zukunft  im  Saarland  schien  sich  für  mich  dadurch  anzubahnen;  wurde
ich  doch  auch  im  Sommer  1966  zum  stellvertretenden  Vorsitzenden  der  Kommission
  für  Saarländische  Landesgeschichte  und  Volksforschung  gewählt.  Und  ich  begann,
  mich  schon  innerlich  auf  eine  Zukunft  in  Saarbrücken  einzustellen.  Doch  es
sollte  anders  kommen.
Das  hing  damit  zusammen,  dass  Professor  Buisson  zu  Ende  1966  einen  Ruf  an
die  Universität  Hamburg  erhielt  und  diesem  1967  folgte;  damit  wurde  sein  Lehrstuhl
  frei.  Für  die  Nachfolge  wurde  nun  -  wie  ich  aus  vielen  Andeutungen  herauslesen
  konnte  -  auch  ich  ins  Gespräch  gebracht.  Offenbar  war  wegen  meines  überzeugenden
  Auftretens  im  Habilitationscolloquium  und  bei  der  Thesenverteidigung
eine  größere  Zahl  von  Professoren  der  Philosophischen  Fakultät  davon  überzeugt,
dass  ich  sowohl  für  die  Mediävistik  wie  auch  für  die  Landeskunde  des  Saarlandes
ein  Gewinn  wäre.  Widerstand  hiergegen  ging  -  das  ließ  man  unter  der  Hand

scher  Kulturwissenschaftler  in  der  Region  Basel  während  des  Dritten  Reiches,  in:  Basler
Zeitschrift  für  Geschichte  und  Altertumskunde  107  (2002),  S.  47-74;  Markus  Enzenauer,
  Wirtschaftsgeschichte  in  Mannheim.  Das  Fach  und  seine  Vertreter  an  Handelshochschule,
  Wirtschaftshochschule  und  Universität  (Mannheimer  Historische  Forschungen
22),  Ludwigshafen  2005,  S.  48-71.
Zur  Zeit  widmet  sich  Fabian  Link  (Universität  Basel)  in  einem  Projekt  den  Laufbahnen
und  Wissenskonstruktionen  von  drei  so  genannten  ehemaligen  „Volkshistorikem“  nach
1945,  darunter  Hektor  Ammann  (freundliche  Information  von  Fabian  Link  vom  7.  Januar
2012).
15  Nach  der  Zulassung  der  bislang  verbotenen  prodeutschen  Parteien  im  Abstimmungskampf
  um  das  von  Bundeskanzler  Adenauer  und  dem  französischen  Ministerpräsidenten
Pierre  Mendes-France  vereinbarte  Saarstatut  hatten  sich  die  Gegner  des  „Saar-Statuts“,
die  Christlich  Demokratische  Union  Saar  (Vorsitzender  Dr.  Hubert  Ney),  die  Deutsche
Sozialdemokratische  Partei  (Vorsitzender  Kurt  Conrad)  und  Demokratische  Partei  (Vorsitzender
  Dr.  Heinrich  Schneider)  am  3.  September  1955  zum  „Deutschen  Heimatbund“
zusammengeschlossen.  Nach  einer  leidenschaftlich  geführten  Auseinandersetzung  und
der  Ablehnung  des  Saarstatuts  in  der  Volksabstimmung  vom  23.  Oktober  1955  gewannen
die  Heimatbund-Parteien  auch  die  folgenden  Landtagswahlen  im  Dezember  1955.
16  Johannes  Hoffmann  (1890-1967):  1947-1955  erster  Ministerpräsident  des  Saarlandes.
Vgl.  zuletzt  Heinrich  Küppers,  Johannes  Hoffmann  (1890-1967).  Biographie  eines  Deutschen
  (Forschungen  und  Quellen  zur  Zeitgeschichte  54),  Düsseldorf  2008.  Die  Rolle
Meyers  als  jeweils  parteiloser  Direktor  im  Kultusministerium  im  zweiten  Kabinett  Hoffmann
  1951/52  und  1955/56  im  Kabinett  Heinrich  Welsch  und  anfangs  auch  im  Kabinett
Ney  und  seine  Position  zu  seinem  Konabiturienten  Hoffmann  bedürfen  noch  einer  ausführlichen
  Analyse.

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