Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

Dieses  Vorlesungschreiben  war  jetzt  wie  auch  in  den  späteren  Jahren  stets  eine
Aufgabe  für  die  Abend-  und  Nachtstunden  des  Vortages  der  Vorlesung.  Da  ich  mir
am  Beginn  des  Semesters  nur  einen  groben  Plan  zurechtlegte,  was  alles  während
der  künftigen  Vorlesungsstunden  zu  behandeln  ist,  welche  Phänomene  und  Geschehensabläufe
  unbedingt  zur  Sprache  kommen  müssten,  was  innerhalb  des  ersten
Semesterviertels  beziehungsweise  der  ersten  -hälfte  ausgeführt  sein  müsste  et  cetera,
  kam  ich  auch  gut  mit  dem  angekündigten  Stoff  zum  vorgesehenen  Ende;  das
hatte  den  Vorteil,  dass  ich  -  da  sich  das  Ausarbeiten  des  Textes  einer  Vorlesungsstunde
  meist  bis  in  die  frühen  Morgenstunden  (etwa  bis  gegen  vier  Uhr  morgens)
hinzog  -  dann  beim  Vortragen  mitten  in  den  Problemen  drinsteckte,  nicht  am  Manuskript
  kleben  musste  und  daher  -  wie  ich  meine  -  lebendig  vortragen  konnte.  An
ein  Ausarbeiten  der  Vorlesung  bereits  während  der  Semesterferien  konnte  und
wollte  ich  mich  -  auch  später  -  nicht  gewöhnen;  das  wäre  für  die  „Unmittelbarkeit“
  des  Vortrages  nicht  günstig  gewesen  und  hätte  mir  auch  die  Möglichkeit  genommen,
  während  der  Semesterferien  weitere  wissenschaftliche  Aufsätze  zu  verfassen,
  mit  denen  ich  meinen  Stand  in  der  Mediävistik  zu  festigen  hatte,  wollte  ich
irgendwann  einmal  einen  „Ruf  ‘  auf  eine  Professorenstelle  erhalten.
Im  Frühjahr  1967  übernahm  ich  -  eingearbeitet  in  die  Geschichte  Lothringens
und  ebenso  des  Saarlandes  -  die  Direktion  des  Instituts  für  Landeskunde  des  Saarlandes1',
  das  bis  dahin  unter  der  Leitung  des  in  den  Ruhestand  verabschiedeten  und
in  seine  Schweizer  Heimat  zurückgekehrten,  für  Wirtschaftsgeschichte  zuständigen
Professors  Dr.  Hektor  Ammann* 14  gestanden  hatte.  Dass  dieses  Institut  offenbar  als

lj  Das  im  Dezember  1959  „als  zentrale  Forschungsstelle  für  Landeskunde“  begründete
„Institut  für  Landeskunde  des  Saarlandes“  wurde  als  staatliche  Einrichtung  beim  Kultusministerium
  angesiedelt  und  nahm  seine  Aufgaben  in  der  Organisationsform  einer
dem  Ministerium  nachgeordneten  Behörde  wahr.  Vgl.  die  entsprechenden  Angaben  unter
http://www.iflis.de/index.php/institut/verein/institutshistorie.  Eine  detaillierte  Institutsgeschichte
  ist  ebenso  ein  Desiderat  wie  eine  Analyse  des  Verhältnisses  zwischen  der
Kommission  für  Saarländische  Landesgeschichte  und  Volksforschung  und  dem  Institut,
worauf  auch  Marlies  Franke  in  ihrem  Beitrag  in  dieser  Festschrift  auf  S.  1  ff.  hinweist.
14 Prof.  Dr.  Hektor  Ammann  (1894-1967):  Unter  anderem  seit  1955  Honorarprofessor  für
Wirtschaftsgeschichte  an  der  Universität  Mannheim,  seit  dem  Wintersemester  1957/58
auch  an  der  Universität  des  Saarlandes  tätig;  zunächst  als  Lehrbeauftragter,  im  Sommersemester
  1958  als  Lehrbeauftragter  und  Gastprofessor,  seit  Oktober  1958  Extraordinarius
für  Wirtschaftsgeschichte  auf  die  Dauer  von  fünf  Jahren  bis  zum  30.  September  1963.  Im
Februar  1961  werden  ihm  die  „Amtsbezeichnung  und  die  akademischen  Rechte  eines  ordentlichen
  Professors“  verliehen  und  im  Juli  1963  die  korporationsrechtiche  Stellung  eines
  „Professor  emeritus“  gewährt.  Im  Wintersemester  1963/64  und  Sommersemester
1964  vertritt  er  seinen  Lehrstuhl.  Von  1960  bis  1967  Direktor  des  Instituts  für  Landeskunde
  des  Saarlandes.  Vgl.  unter  anderem:  Zum  Andenken  an  Dr.  phil.  Hektor  Ammann,
Universitätsprofessor.  Trauerfeier  in  der  Stadtkirche  Aarau  am  27.  Juli  1967  (Dokumentation
  der  Ansprachen);  Eduard  Hlawitschka,  Sein  großes  Werk:  der  historische  Saaratlas
  -  Zum  Tode  von  Professor  Dr.  Hektor  Ammann,  in:  Saarbrücker  Zeitung  vom  25.  Juli
1967;  Hermann  Aubin,  Hektor  Ammann  t,  in:  Vierteljahrsschrift  für  Sozial-  und  Wirtschaftsgeschichte
  54  (1967),  S.  572-576;  Emil  Meynen,  Hektor  Ammann,  in:  Berichte
zur  Deutschen  Landeskunde  43  (1969),  S.  41-72;  Christian  Simon,  Hektor  Ammann  -
Neutralität,  Germanophilie  und  Geschichte,  in:  Intellektuelle  von  rechts:  Ideologie  und
Politik  in  der  Schweiz  1918-1939,  hg.  von  Aram  Matteoli,  Zürich  1995,  S.  29-53;  Michael
  Fahlbusch,  Zwischen  Kollaboration  und  Widerstand.  Zur  Tätigkeit  schweizeri¬
            
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