Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

Die  nach  französischem  Vorbild  nur  in  Saarbrücken  übliche  „Thesenverteidigung“
  (Soutenance  de  la  thèse)  schloss  sich  dann  am  3.  Februar  1966  an.  Letztere
war  eine  öffentliche,  über  l'A  Stunden  dauernde  Veranstaltung,  zu  der  auch  das
Fernsehen  erschien,  um  Filmaufnahmen  für  eine  Sendung  „Student  von  heute,
Hochschullehrer  von  morgen“  zu  drehen.  Unter  dem  gleißenden  Scheinwerferlicht
kam  ich  richtig  ins  Schwitzen,  aber  ich  glaube,  dass  ich  mich  gegenüber  allen  Fragen
  und  Einwänden  der  fünf  Gutachter  (Prof.  Ludwig  Buisson,  Prof.  Eugen  Meyer,
Prof.  Edith  Ennen10,  Prof.  Heinrich  Lutz11  und  Prof.  Konrad  Repgen12)  wacker  geschlagen
  habe.  Die  Antrittsvorlesung  zu  Beginn  des  Sommersemesters  1966  war
dann  nur  noch  eine  Formsache.  Zumal  ich  mich  im  Colloquium  auch  mit  Fragen
zur  Neueren  Geschichte  auseinanderzusetzen  hatte  und  diese  zur  Zufriedenheit  der
Professorenschaft  meisterte,  wurde  mir  zu  meiner  Freude  noch  zusätzlich  die  gar
nicht  erbetene  Venia  legendi  für  Neuere  Geschichte  zugesprochen.  Ich  war  somit
Privatdozent  geworden  mit  der  Venia  legendi  für  Mittlere  und  Neuere  Geschichte
und  Historische  Hilfswissenschaften.
Mit  meiner  Habilitation  und  der  Ernennung  zum  Privatdozenten  waren  nun  alle
Voraussetzungen  Für  eine  definitive  Übernahme  in  den  Universitätsdienst  vorhanden.
  Und  so  wurde  ich  im  Sommer  1966  zum  Universitätsdozenten  ernannt.  Die
Zeit  des  Vorlesungschreibens  war  damit  angebrochen.  Ich  begann  -  neben  der  mir
bereits  vertrauten  Abhaltung  der  Proseminare  für  das  Studium  der  mittelalterlichen
Geschichte  -  im  Sommersemester  1966  mit  einer  Vorlesung  über  „Die  Zeit  der
späten  Karolinger  und  der  Ottonen“,  in  der  ich  mich  durch  die  Habilitation  gut  bewandert
  fühlte.  Für  das  folgende  Wintersemester  1966/67  diktierte  mir  Herr  Buisson
  kurzerhand  eine  Vorlesung  über  „Das  Zeitalter  Friedrich  Barbarossas“  zu,  in
die  ich  mich  rasch  einzuarbeiten  vermochte;  angekündigt  hatte  ich  freilich  ein  Kolleg
  über  den  Investiturstreit.

1,1  Prof.  Dr.  Edith  Ennen  (1907-1999):  1964-1968  Ordinaria  für  Wirtschafts-  und  Sozialgeschichte
  an  der  Universität  des  Saarlandes.  Vgl.  die  ausführliche  bio-bibliographische
Dokumentation  von  Wolfgang  Müller  in  diesem  Band.
11  Prof.  Dr.  Heinrich  Lutz  (1922-1986):  1963-1967  Ordinarius  für  Neuere  Geschichte  an
der  Universität  des  Saarlandes.  Vgl.  Eberhard  Weis,  Lutz,  Heinrich,  in:  Neue  Deutsche
Biographie  15  (1987),  S.  567-568;  Die  Einheit  der  Neuzeit.  Zum  historischen  Werk  von
Heinrich  Lutz,  hg.  von  Alfred  Köhler  und  Gerald  Stourz  (Wiener  Beiträge  zur  Geschichte
  der  Neuzeit  15),  Wien  1988;  Karl  Otmar  Freiherr  von  Aretin,  Heinrich  Lutz
20.8.1922-18.5.1986,  in:  Historische  Zeitschrift  244  (1987),  S.  487-493.
12  Prof  Dr.  Konrad  Repgen  (geboren  1923):  1962-1967  Ordinarius  für  Neue  und  Neueste
Geschichte  an  der  Universität  des  Saarlandes,  Ehrendoktor  der  Universität  Bayreuth.  Vgl.
insbesondere:  Erinnerungen.  Prof.  Dr.  Dr.  h.c.  Konrad  Repgen,  in:  Jubiläumsschrift  (wie
Anm.  4),  S.  102-103,  ferner  Joachim  Scholtyseck,  Reden  zum  80.  Geburtstag  von  Konrad
  Repgen  am  12.  Mai  2003  (Bonner  akademische  Reden  87),  Bonn  2003  und  Karl-Joseph
  Hummel,  Zeitgeschichtliche  Katholizismusforschung.  Tatsachen,  Deutungen,
Fragen.  Eine  Zwischenbilanz  (Konrad  Repgen  zum  80.  Geburtstag,  Rudolf  Morsey  zum
75.  Geburtstag),  (Veröffentlichungen  der  Kommission  für  Zeitgeschichte,  Reihe  B,  Forschungen
  100),  Paderborn  220  06;  Die  Katholiken  und  das  Dritte  Reich.  Kontroversen
und  Debatten.  Konrad  Repgen  zum  85.  Geburtstag,  hg.  von  Karl-Joseph  Hummel  und
Michael  KißENER,  Paderborn  2009.  Vgl.  jetzt  auch  Hubert  Wolf,  Reichskonkordat  für
Ermächtigungsgesetz?  Zur  Historisierung  der  Scholder-Repgen-Kontroverse  über  das
Verhältnis  des  Vatikans  zum  Nationalsozialismus,  in:  Vierteljahrshefte  für  Zeitgeschichte
  60(2012),  S.  169-200.

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