wig Buisson, begeben, um meine paläographischen Kenntnisse zu erweitern; denn
er war ja seit Jahrzehnten mit der Herausgabe der Urkunden Kaiser Ludwigs des
Frommen für die Monumenta Germaniae Historica (MGH) betraut und hatte ein
Oberseminar zu Editionsfragen bezüglich dieser Urkunden angekündigt. Als Herr
Meyer mich in der zweiten Stunde - bei meinem Namen auf der nur fünf Interessenten
umfassenden Teilnehmerliste stutzend - fragte, ob ich wohl derjenige sei,
der das Buch über die oberitalienischen Grafen und sonstigen Adligen der Karolingerzeit
geschrieben hätte, und ich es bejaht hatte, konzentrierte er - mit der Begründung,
ich sei ja doch ein ausgewiesener Kenner personengeschichtlicher Arbeitsmethodik
- seine Übungen auf einige, auf den Namen Ludwigs des Frommen
gefälschte Urkunden, deren Fälschungscharakter sich jedoch nicht (da es nur abschriftliche
Überlieferungen für sie gab) mit paläographischen Methoden, sondern
nur mit einer genauen Überprüfung der in ihnen enthaltenen genealogischen Angaben
nachweisen ließe. Ich hatte mich also in die Karolingergenealogie einzuarbeiten.
Das ganze Semester lang habe ich über diese Fragen mit Herrn Meyer gleichsam
im Clinch gelegen. An dessen Ende sagte er dann, er sei überzeugt, dass ich
mit meinen Ansichten recht hätte; ich sollte diese umgehend publizieren. Er habe
mit mir nur deshalb so ausdauernd gestritten beziehungsweise immer wieder neue
Einwände gebracht, damit meine Sicht nach allen Seiten hin unangreifbar werde.
So bin ich also gerade durch Eugen Meyer von der allgemeinen Personengeschichte
zu deren spezieller Ausprägung in der Genealogie hingeführt worden. Wenn ich
später viel im Bereich der Genealogie geforscht und publiziert habe, dann verdanke
ich somit in erster Linie Eugen Meyer den Impuls, mich in dieses Arbeitsfeld hineinbegeben
zu haben.
Auf Antrag Eugen Meyers wurde ich auch Anfang Juli 1963 in die Kommission
für Saarländische Landesgeschichte aufgenommen, ja er hat sogar ein Jahr später -
zusammen mit dem bisherigen Beisitzer Prof. Dr. Theodor Schieffer (Bonn/Köln)
meine Wahl in den Vorstand der Kommission eingeleitet. Das war für mich eine
große Ehre und zugleich eine Verpflichtung, mich weiter mit Fragen der Geschichte
des alten Lotharingien zu befassen. Und Eugen Meyer hat mich - das möchte ich
besonders betonen - zudem 1964 auf die Beschäftigung mit den Ahnen des Hauses
Habsburg-Lothringen hingelenkt, indem er mich bat, mich mit (an ihn herangetragenen)
Versuchen des Lieutenant-Colonel Larose (aus Nancy) auseinanderzusetzen,
die Ahnen Papst Leos IX. zu ermitteln\ Da ich Quellen zur genealogischen
Zusammengehörigkeit der Vorfahren Leos IX. mit den Salierkaisern kannte und
mittels Einträgen im Liber memorialis von Remiremont auch über deren Verbinrung
1961. Vgl. die ausführliche bio-bibliographische Dokumentation von Wolfgang
Müller in diesem Band.
Prof. Dr. Theodor Schieffer (1910-1992): Korrespondierendes Mitglied der Kommission
für Saarländische Landesgeschichte und Volksforschung, Beisitzer im Vorstand. Vgl. unter
anderem: Gedenkschrift Theodor Schieffer 1910-1992, hg. von den Monumenta Germaniae
Historica, München 1993 und den Beitrag von Heribert Müller, Schieffer,
Theodor, in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 735-736. Außerdem jetzt: Rolf
GROßE, Theodor Schieffer. Ein rheinischer Historiker und seine „Begegnung mit der romanisch-französischen
Welt“, in: Das Deutsche Historische Institut Paris (wie Anm. 1),
S. 119-137.
s Lieutenant-Colonel Alfred Larose, Étude sur les Origines du Pape St Léon (1002-1054),
Metz 1954.
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